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Interview mit "Jugend trainiert"-Jubiläumsbotschafter Patrick Groetzki

Unser "Jugend trainiert"-Jubiläumsbotschafter Patrick Groetzki hat uns in der letzten Woche in einem Insta-Live Rede und Antwort gestanden. Er erzählt unter anderem wie sich die Coronakrise auf sein Leben auswirkt und welche Verbindung er zu "Jugend trainiert" hat.

Wie ist deine Verbindung zu Jugend trainiert für Olympia & Paralympics?

Der Kontakt kam schon sehr früh. Als ich jünger war, habe ich jedes Jahr selber beim Wettbewerb teilgenommen. Ich war sogar mit meiner Schule dreimal beim Bundesfinale in Berlin. Der Wettbewerb hat mich damals schon immer begeistert und deswegen bin ich sehr stolz und froh, der Handball-Pate von „Jugend trainiert“ zu sein.

Wie bist du damit umgegangen, dass du aufgrund der Corona-Beschränkungen zeitweise keinen Sport machen konntest? Bei uns ist bekanntlich das Bundesfinale ausgefallen, bei euch wurde die Bundesliga abgesagt und Olympia verlegt. Wie geht man damit um, dass man von einem Tag auf den anderen die Möglichkeit nicht mehr hat, die gesteckten Ziele im Sport zu verfolgen? Wie motivierst du dich? Und hast Du auch vielleicht ein paar Tipps für unsere Sportlerinnen und Sportler von „Jugend trainiert“?

Ich muss schon sagen, am Anfang war es nicht so einfach, weil man kein richtiges Ziel mehr vor Augen hat. Dann ist es schon schwierig, Motivation zu finden. Bei uns ist ja auch noch immer nicht klar, wann die Liga wieder losgeht. Wenn man im März aufhört, Handball zu spielen, und vermutlich erst im Oktober/November wieder spielt, dann ist es schwer, sich direkt wieder im März aufzuraffen, weil man eben so lange Zeit hat und es eine ungewohnte Situation ist. Wir vom Team hatten jedoch fast jeden Tag mit unserem Fitnesstrainer Online-Trainings. Das hat dann schon etwas geholfen, sich zu motivieren und wieder einzugrooven.

Und wie hältst du dich motiviert? Ich denke, Tokio ist noch immer ein Ziel für dich und auch die Bundesliga. Wie hältst du die Spannung hoch? Ich frage, weil viele uns nach den abgesagten Bundesfinals ihre diesbezüglichen Probleme geschildert haben.

Es geht eben um diese längerfristigen Ziele. Ich versuche, immer weiter daran zu arbeiten und diese immer im Kopf bzw. Fokus zu haben. Im Fall Olympia versucht man darauf hinzuarbeiten, weil das ein so großes Event ist. Ich durfte es ja auch schonmal selber miterleben und da lohnt sich einfach jede Minute an Arbeit, die man investiert, um dabei zu sein.

Des Weiteren sehe ich die Situation aber auch als eine Art Chance an. Wir als Handballer haben normalerweise eine Sommerpause von 4-6 Wochen, wir hatten einfach noch nie eine solche Situation, dass man sich in so einem langen Zeitraum auf die neue Saison vorbereiten kann. Somit hat man eine längere Phase, in der man an seinen Schwächen arbeiten, richtig was aufbauen und sich verbessern kann. Deswegen sehe ich eher die Chancen, als dass die Situation mich demotiviert.

Und was machst du, wenn du doch mal in ein Loch fällst? Gibt es mentale Tipps, die du als Leistungssportler und Olympiateilnehmer geben kannst, um aus dem Loch wieder herauszukommen?

Ich habe persönlich einen sehr starken inneren Antrieb. Bei mir hilft es ansonsten aber auch, mal was anderes zu machen. Ich fahre zum Beispiel viel Rennrad. Da kriegt man den Kopf frei und kommt automatisch auf andere Gedanken. Man kommt von dem Gedanken „nur Handball, nur Handball“ weg. Klar gibt es auch während der Saison Phasen, in denen man nicht die höchste Motivation hat, weil man vielleicht unzufrieden mit sich selbst ist oder mit der Leistung des Teams hadert; weil es nicht so gut läuft. Dann hilft es mir immer, auch mal den Kopf mit anderen Dingen als Handball zu beschäftigen, wie zum Beispiel mit meinem Studium, um dann so neuen Mut und Motivation zu schöpfen.

Wie wird man Handball-Profi? Wie war das in deinem Fall und wann wusstest du, dass es klappen würde?

Ich bin in einer Handball-Familie groß geworden, meine Eltern haben beide Handball gespielt. Dadurch war ich als Kind schon sehr viel in der Halle und das hat mir immer großen Spaß gemacht. Andererseits habe ich immer den Rückhalt meiner Eltern gespürt, indem ich alles ausprobieren durfte, was mir Spaß gemacht hat, wie zum Beispiel Fußball und Tennis. Von ihnen kam nie Druck, dass ich unbedingt Handball spielen müsste. 

Ich habe dann einfach nach und nach gemerkt, dass es beim Handball am Besten geklappt hat, ich da auch am meisten Spaß hatte. Ich glaube, ich war 13 als ich das erste Mal bei der Landesauswahl dabei war, und habe dann entschieden, mich komplett auf den Handball zu konzentrieren, weil der Trainingsumfang einfach zu groß geworden ist, um zwei Sportarten gleichzeitig auszuüben. In der Folge habe ich die verschiedenen Landesauswahlen durchlaufen und bin dann ein paar Jahre später zur Jugend-Nationalmannschaft eingeladen worden. Dann ging es weiter in die Junioren-Nationalmannschaft. Nebenbei wurde ich sehr stark von meinem Heimatverein in Pforzheim gefördert. 

Mit 17 Jahren habe ich meinen ersten Profivertrag bei den Rhein-Neckar Löwen unterschrieben, wo ich bis heute geblieben bin. Es waren auch viele zusätzliche Trainingseinheiten nötig, um das zu erreichen, wo ich heute bin. Jedoch hat mir das immer Spaß gemacht. Ich hatte einfach das Ziel vor Augen, Profi-Handballer zu werden und irgendwann vielleicht in der A-Nationalmannschaft zu spielen. 

Ich war auch auf dem Sportgymnasium in Karlsruhe, wo ich seit der 9. Klasse jeden Morgen 1,5 Stunden mit der Straßenbahn zur Schule gefahren bin. Das war natürlich ein großer Aufwand, jedoch immer mit dem Ziel vor Augen, viel im Handball erreichen zu wollen. 

Wie lange genau spielst du schon Handball?

Ich habe tatsächlich mit drei Jahren mein erstes Mini-Training absolviert, also sind es mittlerweile 27 Jahre. Und seit 2007 spiele ich bei den Rhein-Neckar Löwen in der Bundesliga.

Was hat für dich „Jugend trainiert“ in der Schule ausgemacht? Du hast erzählt, du hast die verschiedenen Landesauswahlen und Nationalmannschaften durchlaufen und im Verein gespielt. Aber gab es einen Unterschied, wenn du für deine Schule, das Otto-Hahn-Gymnasium Karlsruhe, das übrigens auch heute noch sehr erfolgreich bei „Jugend trainiert“ ist, nach Berlin gefahren und beim Bundesfinale angetreten bist? 

Ich habe mich auf jeden Fall riesig darauf gefreut! Erstmal waren es schon harte Ausscheidungen bei uns in Baden-Württemberg. Es war richtig schwierig, nach Berlin zu kommen! Es waren oft ganz knappe Spiele gegen andere Schulen aus Baden-Württemberg. Beim Bundesfinale war es dann irgendwie wie eine neue Welt. Man kam im Alter von 15-16 nach Berlin und hat dann auf einmal so viele anderen Sportler gesehen. Man ist mit dem ICE gefahren und hat am Bahnhof damals noch eine Regenjacke bekommen mit riesiger Werbung drauf. Das war schon immer ein Highlight für uns. Und so war es Jahr für Jahr das große Ziel, Berlin mit unserer Schulmannschaft wieder zu erreichen. Vor Ort in Berlin hatten wir auch immer einen riesigen Spaß. Unser bestes Abschneiden war leider nur der 4. Platz, aber trotzdem ist „Jugend trainiert“ immer ein super Erlebnis gewesen.

Kann man das mit Olympia vergleichen? Klar ist das etwas groß gedacht, aber dort gibt es „Underdogs“ und die Favoriten, das ist auch so ähnlich bei uns. Bei Olympia gibt es verschiedene Nationen, bei uns sind es die verschiedenen Länder. Kann man also sagen, dass „Jugend trainiert“ schon eine Art Mini-Olympia ist?

Ja, mini-mini würde ich sagen. Bei Olympia hat man das Olympische Dorf, wo alle Sportler untergebracht sind und alle zusammen essen. Hinzu kommen die Einrichtungen auf dem Gelände, wie zum Beispiel der riesige Kraftraum, in dem man ganz eigene Erfahrungen macht. Da denkt man bei sich „Okay, diese Übung beherrsche ich ganz gut“ und dann siehst du neben dir eine Maschine, also ich meine einen anderen Sportler, der dann das doppelte an Gewicht nutzt. (lacht) Dann bekommt man schon vor Augen geführt, welche Top-Sportler es auf der Welt so gibt. 

Ich war schon immer ein riesiger Fan von Olympia. Ich kann mich erinnern: 2000 in Sydney, da bin ich immer schon vor der Schule aufgestanden, um mir die Wettkämpfe anzusehen. Das dann selber mal zu erleben, da ist für mich ein sehr großer Traum in Erfüllung gegangen. Es haben schon so viele Sportler begeistert über dieses besondere Event gesprochen. Dazu kann ich nur sagen, dass es wirklich so ist. Einmal hinter der Deutschland-Fahne ins Olympiastadion einzulaufen, ist schon ein Gänsehaut-Moment.

 

Hast du Eigenschaften, wie z.B. Respekt oder Fair Play, aus deiner „Jugend trainiert“-Zeit mit in deine Profi-Karriere genommen? Gibt es da Sachen, bei denen du sagst, es war anders als im Verein oder der Landesauswahl? Gibt es da Unterschiede?

Ja, da waren schon ein paar Unterschiede, weil unsere Mannschaft dadurch, dass es noch keine Handball-Internate gab, bunt gemischt war mit vielen verschiedenen Spielern aus verschiedenen Vereinen. Das war ein cooles Gefühl und schön zu sehen, dass man mit Konkurrenten aus dem Liga-Alltag, wenn es um die Schulmannschaft und „Jugend trainiert“ ging, so gut zusammen gehalten und sehr gut harmoniert hat. Hinzu kommt, dass „Jugend trainiert“ das erste Ereignis war, wo man sich mit Teams aus ganz Deutschland messen konnte. Daraus konnte man auch Lehren ziehen und hat gemerkt, in welchen Bereichen man noch arbeiten und besser werden muss. Das hat mir persönlich auch sehr in meiner Karriere geholfen.

Was war deine schwerste Verletzung?

Ich hatte mal einen Meniskusriss und Knorpelschaden im rechten Knie. Damals hatte ich mit fünf Monaten bislang meine längste Verletzungspause. Dann hatte ich mal einen Wadenbeinbruch, was auch nicht sonderlich schön war. Aber das waren die größten Verletzungen, die ich bis jetzt hatte. Zum Glück bin ich bis auf diese beiden Sachen von großen Verletzungen verschont geblieben.

Es gibt Siege und Niederlagen. Freude und Enttäuschung. Jetzt bist du für die EM 2020 nicht nominiert worden. Wie hast du das verkraftet? Es war ja sehr überraschend, dass du nicht dabei warst. Hast du vielleicht Ratschläge für die Kinder und Jugendlichen, die auch schonmal Ähnliches erlebt haben?

Für mich kam es auch etwas überraschend, denn ich bin seit über zehn Jahren immer dabei gewesen und habe auch viel gespielt. Im ersten Moment war es sicherlich eine große Enttäuschung, weil ich mir einige Dinge für die EM vorgenommen hatte, auch weil es bei mir bei der WM im Jahr davor persönlich nicht so gut lief. Deswegen wollte ich nochmal auf dieser Ebene beweisen, was in mir steckt. Klar habe ich ein paar Tage daran zu knabbern gehabt, muss ich ehrlich zugeben.

Aber ich bin vom Wesen her ein ganz positiver Mensch und habe dann die positiven Dinge daraus gezogen, wie etwa, dass ich im Januar ein paar Tage für einen Familienurlaub nutzen konnte, was sonst nie möglich war. Ich konnte viel Zeit mit meiner Familie verbringen, der Körper hat die nötige Regeneration bekommen und so konnte ich mich optimal auf die Rückrunde vorbereiten - die ja dann leider kürzer war als eigentlich geplant.

Jetzt versuche ich einfach wieder anzugreifen und zu zeigen, was in mir steckt. Klar, wenn es dann nicht klappt und ein Spieler auf der Position besser ist als ich, dann muss ich das akzeptieren. Aber ich werde alles versuchen, in Zukunft wieder ein Teil der Nationalmannschaft zu sein.

 

Letzte Frage: Hast du Lust nochmal nach Berlin zu kommen, wenn das Bundesfinale von „Jugend trainiert“ hoffentlich im nächsten Jahr wieder stattfindet?

Generell habe ich immer Lust, nach Berlin zu kommen. Ich finde, dass Berlin zu den schönsten Städten in Europa zählt. Darüber hinaus finde ich es cool, die verschiedenen Kulturen in Berlin zu sehen und wenn das Bundesfinale von „Jugend trainiert“ stattfindet, ist es natürlich ein noch schöneres Erlebnis. Also ja, wenn der Zeit- und Trainingsplan es zulassen, bin ich auch beim nächsten Mal wieder gerne dabei.

Klasse! Dann sage ich vielen Dank! Lieber Patrick, ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft, sowohl privat als auch im Sport! Und wir hoffen, dich bald wieder in Berlin begrüßen zu dürfen.

Das Interview führte Timo Michael.

 

 

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