Olympische Sportarten
Paralympische Sportarten

Baden-Württemberg zelebriert größtes Landesfinale in der Geschichte des Schulsportwettbewerbs

Mit Superlativen sollte man bekanntlich sparsam umgehen. Nicht nur Schwaben wissen das, die ja generell als besonders sparsam gelten. Doch am 16. Juli waren in Bietigheim-Bissingen Superlative angebracht, während von Sparsamkeit keine Rede sein kann. Warum? Weil Baden-Württemberg gerade das größte „Jugend trainiert“-Landesfinale aller Zeiten auf die Beine gestellt und dafür weder Kosten noch Mühen gescheut hat. Der Aufwand hat sich gelohnt. Darin waren sich alle einig, die dabei gewesen sind.

Von Kai Gemeinder

Am Rekordtag des 16. Juli 2025 haben 3.350 Schülerinnen und Schüler sowie 600 Lehrkräfte und Begleitpersonen an 19 Sportstätten ihre Landessieger in 16 Sportarten gekürt. (Hier geht es direkt zu den Impressionen und Ergebnissen). Darüber hinaus fanden Demo-Wettbewerbe in einigen paralympischen Disziplinen statt. In neun olympischen Sportarten konnten sich Schulteams für das Herbst-Bundesfinale in Berlin qualifizieren. Die große Vielfalt von „Jugend trainiert“ zeigte sich zudem in Sportarten wie Beachhandball, Radsport, Rhythmische Sportgymnastik, Fechten und Sportklettern, die in Baden-Württemberg bis zum Landesfinale ausgetragen werden, aber (bislang) nicht zu den Bundesfinals führen und daher weniger im Rampenlicht stehen als etwa Leichtathletik oder Schwimmen. Sportklettern wird sich dieses Jahr allerdings zum ersten Mal auch beim Herbstfinale präsentieren und darf sich Chancen ausrechnen, zukünftig in den Kreis der Bundesfinalsportarten aufgenommen zu werden. 

Was das Landesfinale in Bietigheim-Bissingen so besonders macht

Jugend trainiert für Olympia & Paralympics gilt mit seinen etwa 800.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern pro Jahr als größter Schulsportwettbewerb der Welt. Allein in Baden-Württemberg waren in diesem Schuljahr mehr als 120.000 Schülerinnen und Schüler am Start. In den 26 Programm-Sportarten des Bundeswettbewerbs haben sie dabei die Möglichkeit, sich für eine von drei Bundesfinalveranstaltungen zu qualifizieren, bei denen die besten Schulteams der 16 Bundesländer gegeneinander antreten. Erst hier wird der Wettbewerb im Regelfall zu einem Multiportevent, wo Talente aus unterschiedlichen Sportarten zusammenkommen, um in Teams ihre Bundessieger zu ermitteln. Auf den Qualifikationsstufen einschließlich der Landesfinals sind die Ausscheidungswettbewerbe hingegen meist nach Sportarten getrennt organisiert. Etwa 10.000 Einzelveranstaltungen pro Jahr kommen deutschlandweit auf Stadt- oder Kreisebene zustande, 1.500 weitere auf Regionalebene, die wiederum zu ca. 350 Landesfinals führen. 

Das 50-jährige „Jugend trainiert“-Jubiläum im Schuljahr 2019/20 haben einige Kultusministerien seinerzeit zum Anlass genommen, bereits auf Landesebene große Sportfeste zu feiern, bei denen sich Talente aus mehreren Sportarten begegnen konnten. Baden-Württemberg machte im Juli 2019 den Anfang und begrüßte 1.600 Schülerinnen und Schüler aus acht Sportarten in Sindelfingen. Im März 2020 folgten zentrale Landesfinals in Trier (Rheinland-Pfalz) und Frankfurt am Main (Hessen). Weitere Veranstaltungen dieser Art mussten aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden, wurden aber inzwischen überwiegend nachgeholt. Nordrhein-Westfalen hat seit 2022 bereits sechsmal erfolgreich ein zentrales Landesfinale durchgeführt – viermal in Duisburg, zweimal in Münster –, Schleswig-Holstein brachte 2023 in Flensburg die besten Schulteams des Nordens zusammen. Dieser begrüßenswerte Trend wurde nun erneut von Baden-Württemberg aufgegriffen.

Was das zentrale Landesfinale in Bietigheim-Bissingen am 16. Juli 2025 so besonders macht, ist die schiere Größe des Events. Nie zuvor kamen derart viele Schülerinnen und Schüler an einem Tag zum Kräftemessen auf Landesebene zusammen. 16 Sportarten gleichzeitig anzubieten – das übertrifft sogar die Dimensionen der Bundesfinals in Berlin. Zudem hat das Organisationsteam mit einer spektakulären Eröffnungs- und Schlussfeier in der mit 4.000 Personen vollbesetzten EgeTrans Arena für mächtig Eindruck gesorgt.

Strahlende Gesichter, wohin man schaute

Eindreiviertel Jahre haben OK-Chef Pascal Müller und sein Team auf das Landesfinale hingearbeitet. Neue Maßstäbe wollten sie setzen, sich einen Platz in den Geschichtsbüchern sichern. Aber vor allem wollten sie den Schulsporttalenten des Landes ein unvergessliches Gemeinschaftserlebnis bescheren, an das sich die Kinder und Jugendlichen auch in vielen Jahren noch gerne zurückerinnern. Das verriet Moderator Stefan Lubowitzki bereits beim Ehrengastempfang am Vorabend des Landesfinales. 

24 Stunden später, am Ende eines langen und reibungslos verlaufenen Sporttages, kann man attestieren: Baden-Württemberg hat geliefert. Zusammen mit der Wiedeking-Stiftung als Hauptsponsor, vielen weiteren Partnern sowie Bietigheim-Bissingen als sportbegeistertem Austragungsort mit Oberbürgermeister Jürgen Kessing an der Spitze ist es mit Bravour gelungen, das größte Landesfinale in der 56-jährigen Geschichte von Jugend trainiert für Olympia & Paralympics auszurichten. 

Neben dem Orga-Team waren 200 Helferinnen und Helfer aus den umliegenden Schulen beteiligt und haben wesentlich zum Erfolg der Veranstaltung beigetragen. Zahlreiche Busse und sogar ein Sonderzug kamen zum Einsatz. Die Wettbewerbe waren top organisiert, alles lief nach Plan. Reichlich Wertschätzung und Anerkennung erhielten Pascal Müller und sein Team immer wieder für die organisatorische und logistische Meisterleistung. Aber was das Wichtigste ist: Wo man hinschaute, blickte man in strahlende Gesichter. Und das bereits am frühen Morgen.

Beach-Volleyballerin Jana Dern: „Sowas hab ich noch nie erlebt“ 

Dem Fernsehteam des SWR (ab Minute 20:47) sagte Jana Dern, Beach-Volleyballerin des Berthold-Gymnasiums Freiburg, nach der Eröffnungsfeier: „Ich fand’s eine richtig krasse Atmosphäre. Also unfassbar. Sowas hab ich noch nie erlebt. Ich fand’s echt cool.“ Zwar waren Jana und ihr Team einige Stunden später etwas enttäuscht, weil sie das Ticket nach Berlin knapp verpasst hatten. Dennoch blieb die Schülerin voll des Lobes und war dankbar, beim Landesfinale dabei gewesen zu sein. Ähnlich empfanden es die Ruderinnen vom Schloss Gaienhofen am Bodensee, die zum ersten Mal bei „Jugend trainiert“ mitgemacht haben. Mit ihrem sportlichen Abschneiden waren sie nicht zufrieden. Aber als sie erfuhren, dass sie gerade am größten Landesfinale in der Geschichte von „Jugend trainiert“ teilgenommen hatten, sagte eine von ihnen: „Das ist krass. Dann haben wir ja voll Glück gehabt, dass wir genau in diesem Jahr hier sein können.“

Deutlich mehr „Jugend trainiert“-Erfahrung brachten da schon die Ruderinnen des Friedrich-Schiller-Gymnasiums Marbach mit. Sie nehmen seit Jahren am Schulsportwettbewerb teil und haben sich beim Landesfinale zum wiederholten Mal fürs Bundesfinale in Berlin qualifiziert. Nach ihrem Highlight des Tages gefragt, antwortete Julika Grünewald: „Das Gemeinschaftsgefühl war toll. Es war fast so wie in Berlin beim Bundesfinale. Dass die Schulen aus ganz Baden-Württemberg das hier erleben konnten, egal ob sie sich für Berlin qualifizieren oder nicht, ist einfach cool.“

Was die Deutsche U17-Meisterin aus dem Jahr 2024 hier sehr emphatisch zum Ausdruck bringt: Zentrale Landesfinals haben das Potenzial, einer viel größeren Anzahl junger Menschen ein schulsportliches Highlight mit Wettkampfcharakter zu bieten und ihnen dabei ein wertvolles Gemeinschaftsgefühl zu vermitteln. Nur wenige Hundert schaffen es pro Jahr und Bundesland nach Berlin. Auf Landesebene hingegen sind Tausende dabei. Wenig überraschend wünschen sich Julika und ihre Mitschülerinnen daher, dass das Landesfinale auch in Zukunft zentral an einem Ort stattfinden kann. Mit diesem Wunsch sind sie nicht allein.

Sportliche Vorbilder Xenia Smits und Annett Kaufmann erweisen dem Nachwuchs die Ehre

Zur Begeisterung vieler Schülerinnen und Schüler hat sicherlich auch der Besuch zweier Spitzensportlerinnen bei der Abschlussfeier in der EgeTrans Arena beigetragen. Xenia Smits, Deutschlands Handballerin des Jahres 2024 und 2011 selbst Bundessiegerin bei „Jugend trainiert“, begleitete die Handballwettbewerbe in der Halle, schrieb unzählige Autogramme und nahm zusammen mit weiteren Handball-Profis die Siegerehrungen vor, die ebenso wie das Handballfinale der Jungen in die Abschlussfeier eingebettet waren.

Unter den Zuschauerinnen in der EgeTrans Arena war zudem Deutschlands Tischtennis-Shootingstar Annett Kaufmann, die in Bietigheim aufgewachsen ist und über ihre Heimat sagt: „Bietigheim ist einfach eine Sportstadt. Es freut mich sehr, dass das größte Landesfinale aller Zeiten hier stattgefunden und alles so gut funktioniert hat." Dafür zollte sie dem Orga-Team und den Helferinnen und Helfern – darunter auch ihrer Schwester – „allergrößten Respekt", ebenso wie den Kids, „die hier ihr Bestes gegeben haben". Sie würde sich wünschen, dass auch in Zukunft „Jugend trainiert“-Wettbewerbe in ihrer Heimat stattfinden können. „Das war große Werbung für den Sport heute“, lautete das Fazit der U19-Weltmeisterin im Einzel und Olympiavierten im Team. Dem ist nichts hinzuzufügen. 

 

© MHVP Video Solutions

© MHVP Video Solutions

© MHVP Video Solutions

© MHVP Video Solutions

© MHVP Video Solutions

© MHVP Video Solutions

© MHVP Video Solutions

© MHVP Video Solutions

© MHVP Video Solutions

Datenschutzeinstellungen

  • Cookie-Hinweise

    Wenn Sie eine Website besuchen, kann sie Informationen aus Ihrem Browser, meist in Form von Cookies, abrufen oder speichern. Hierbei kann es sich um Informationen über Sie, Ihre Einstellungen oder Ihr Gerät handeln. Meist werden sie verwendet, um die erwartungsgemäße Funktion der Website zu gewährleisten. In der Regel identifizieren diese Informationen Sie nicht direkt. Sie können Ihnen aber ein personalisierteres Web-Erlebnis bieten. Sie können sich entscheiden, bestimmte Arten von Cookies nicht zulassen. Klicken Sie auf die verschiedenen Kategorieüberschriften, um mehr zu erfahren und unsere Standardeinstellungen zu ändern. Wie Sie mit Sicherheit wissen, kann die Blockierung bestimmter Arten von Cookies jedoch zu einer beeinträchtigten Erfahrung der von uns zur Verfügung gestellten Website und Dienste führen.

  • Erforderliche Cookies

    Diese Cookies sind zur Funktion unserer Website erforderlich und können in unseren Systemen nicht deaktiviert werden. In der Regel werden diese Cookies nur als Reaktion auf von Ihnen getätigten Aktionen gesetzt, die einer Dienstanforderung entsprechen, wie etwa dem Festlegen Ihrer Datenschutzeinstellungen, dem Anmelden oder dem Ausfüllen von Formularen. Sie können Ihren Browser so einstellen, dass diese Cookies blockiert oder Sie über diese Cookies benachrichtigt werden. Einige Bereiche der Website funktionieren dann aber möglicherweise nicht.

  • Statistische Cookies
Zugänglichkeit
Barrierefreiheit