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Der geplatzte Traum #1 | Mit Kopf, Herz und Hand

In der kommenden Woche hätte das Frühjahrsfinale von Jugend trainiert für Olympia & Paralympics in Berlin stattfinden sollen, das aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden musste. In einer dreiteiligen Serie porträtieren wir Schulteams, die zum ersten Mal bei einem Bundesfinale dabei gewesen wären. Sie kommen aus Idstein, Leichlingen und Betzdorf. Stellvertretend für alle Qualifizierten würdigen wir deren Leistungen, indem wir ihre Geschichten erzählen.

von Kai Gemeinder

#1 Pestalozzischule Idstein, Hessen – Handball WK III Mädchen

Jahrzehntelang hatte das Gymnasium, das 1946 entstand und in einem alten Renaissance-Schloss im hessischen Idstein beheimatet ist, nichts mit Jugend trainiert für Olympia & Paralympics zu tun. Dies änderte sich erst, als Sportlehrer Sebastian Grünberg vor vier Jahren an die Schlossschule kam. Dieser hatte als Schüler des Heinrich-Heine-Gymnasiums Kaiserslautern einst selbst erfolgreich am Wettbewerb teilgenommen und mit seinem Fußballteam das Bundesfinale erreicht. Nach dem Lehramtsstudium in Mainz arbeitete er zunächst am hiesigen Otto-Schott-Gymnasium, einer Partnerschule des Sports, die im Gegensatz zur Pestalozzischule Idstein eine lange „Jugend trainiert“-Tradition besitzt. Sebastian Grünberg trainierte dort die Fußballmädchen und erreichte 2015 – diesmal als Lehrer – erneut das Bundesfinale in Berlin. Kurz darauf wechselte er nach Idstein und begann, an seiner neuen Schule das sportliche Profil zu stärken.

Sebastian Grünberg ist derzeit verantwortlich für drei Sport-AGs im Badminton, Basketball und Golf, jeweils in Kooperation mit regionalen Sportvereinen und deren Coaches. Zwei Kollegen und eine Kollegin leiten weitere Sport-AGs im Judo, Tischtennis und Rope Skipping. Kurioserweise hat sich Sebastian Grünberg nun aber mit seinen Schülerinnen in einer Sportart für das Frühjahrsfinale qualifiziert, die an der Schule gar nicht als AG angeboten wird, weil derzeit keine weiteren AG-Plätze verfügbar sind – und zwar im Handball, WK III Mädchen. Dies ist ihre Geschichte. 

Seit zwei Jahren trainiert der engagierte Lehrer die Handballerinnen, die alle für den TV Idstein aktiv sind, in seiner Freizeit. Bereits im ersten Jahr erreichte das Schulteam das Landesfinale, schied aber in der Vorrunde aus. Im zweiten Anlauf sollte es dann klappen. Zunächst galt es, zu Beginn des Schuljahres 2019/20 den Schulamts- und Regionalentscheid zu überstehen. Beides gelang. Danach folge das Landesfinale am „Tag der Hallensportarten“ (wir berichteten) am 11. März in Frankfurt.

Das als Final Four angesetzte Turnier wurde zum Dreikampf, weil das Gymnasium Oberursel seine Teilnahme aufgrund der sich verstärkenden Coronakrise kurzfristig abgesagt hatte. Idstein musste sich also nur mit der Alten Landesschule Korbach und der Karl-Rehbein-Schule Hanau messen. Im ersten Spiel gegen Korbach liefen die Schlossschülerinnen aus Idstein zwischenzeitlich einem 5-Tore-Rückstand hinterher, erkämpften sich aber am Ende ein 21:21 Unentschieden, das beiden Teams die Chance auf den Turniersieg offenhielt. Beide Mannschaften schlugen in der Folge Hanau, weshalb es in einem Entscheidungsspiel erneut zum Aufeinandertreffen der Schulen aus Idstein und Korbach kam. Wieder begannen die Idsteinerinnen nervös und lagen zur Halbzeit mit 5:7 zurück. Insgesamt war die Partie stärker als das Spiel in der Vorrunde von intensiver Abwehrarbeit geprägt. Wenige Minuten vor Schluss gelang Idstein zunächst der Ausgleich zum 11:11 und Katharina Labitzke danach die Führung zum 12:11. In der dramatischen Endphase fiel kein weiteres Tor mehr, Idstein brachte den knappen Vorsprung über die Zeit und qualifizierte sich zum ersten Mal in der Schulgeschichte mit einer Mannschaft für das Bundesfinale in Berlin. Der Jubel war grenzenlos.

Das Leitbild der Pestalozzischule lautet „Mit Kopf, Herz und Hand“. So ist es auf der Schulhomepage zu lesen. Das Motto passt wie maßgeschneidert zum Handballsport und wurde von den Gymnasiastinnen aus Idstein in bester Weise umgesetzt. Im wöchentlichen Training ebenso wie in den entscheidenden Momenten des Landesfinales. 

Aber bereits auf der Busfahrt nach Hause sprachen die Schülerinnen und ihr Lehrer über die Möglichkeit, dass das Bundesfinale vielleicht gar nicht stattfinden könnte. Eigentlich war beim Landesfinale in Frankfurt, an dem rund 1.000 Schülerinnen und Schüler in den unterschiedlichen Frühjahrssportarten von „Jugend trainiert“ teilgenommen hatten, eine große gemeinsame Siegerehrung geplant gewesen. Auf diese wurde aus Sicherheitsgründen verzichtet. Und auch das Fernbleiben einiger Schulmannschaften wie der aus Oberursel stimmte die Mädchen aus Idstein nachdenklich. Zwei Tage später wurde aus der Befürchtung Gewissheit: Am 13. März gab die Deutsche Schulsportstiftung (DSSS) die Absage des Frühjahrsfinales bekannt. 

Für etwa die Hälfte des Teams wäre es der erste Besuch in der Hauptstadt gewesen. Sebastian Grünberg vermochte es, seine Schülerinnen zu motivieren und zu Höchstleistungen anzutreiben, auch indem er ihnen immer wieder von seinen eigenen Erfahrungen als Schüler und Lehrer beim Bundesfinale erzählte. „Berlin ist eine tolle Stadt mit all seinen Sehenswürdigkeiten und den möglichen Freizeitaktivitäten. Und natürlich ist es ein außergewöhnliches Erlebnis, mit den Freunden aus der Schule das eigene Bundesland zu vertreten und die vielen Sportlerinnen und Sportler aus ganz Deutschland zu treffen“, sagt er. Nun hoffen der Lehrer und seine Schülerinnen, dass der Traum vom Bundesfinale vielleicht doch noch wahr wird. Schließlich hat die DSSS bekannt gegeben, nach Möglichkeit die qualifizierten Schulteams aus dem Frühjahr zum Herbstfinale einladen zu wollen. Ob dies realisierbar ist, weiß heute aber noch niemand. „Wenn nicht“, gibt sich Sebastian Grünberg optimistisch, „starten wir im nächsten Schuljahr einen neuen Anlauf.“ Mit Kopf, Herz und Hand könnte es gelingen, den historischen Schulerfolg zu wiederholen. 
 

h.l.: Sebastian Grünberg, Charlotte Kromer, Linda Frielinghaus, Cara Krekel, Greta Pokoyski, Emma Prause, Anais Viehböck, v.l.: Malea Monninger, Katharina Labitzke, Johanna Morsch, Emrys Corbé, Nora Weidenbusch, Paulina Vocke © PSI

Ein Spiegelbild des Erfolgs: Spielerinnen der Pestalozzischule Idstein nach dem historischen Handballtriumph beim Landesfinale © PSI

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