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Der geplatzte Traum #2 | Sechs Jahre Arbeit für diesen einen Moment

In der kommenden Woche hätte das Frühjahrsfinale von Jugend trainiert für Olympia & Paralympics in Berlin stattfinden sollen, das aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden musste. In einer dreiteiligen Serie porträtieren wir Schulteams, die zum ersten Mal bei einem Bundesfinale dabei gewesen wären. Sie kommen aus Idstein, Leichlingen und Betzdorf. Stellvertretend für alle Qualifizierten würdigen wir deren Leistungen, indem wir ihre Geschichten erzählen.

von Kai Gemeinder

#2 Städtisches Gymnasium Leichlingen, Nordrhein-Westfalen – Basketball WK II Jungen

Sechs Jahre lang haben Diplomsportlehrer Klaus Worms, Trainer Carsten Haberland und die Schulbasketballmannschaft Black Hawks auf diesen einen Moment hingearbeitet. Den Moment, in dem feststeht, dass man sich fürs Bundesfinale von Jugend trainiert für Olympia & Paralympics qualifiziert hat. Diesem Moment der Glückseligkeit und ausgelassenen Freude waren beim Landesentscheid von Nordrhein-Westfalen im Basketballwettbewerb der WK II am 04. März sechs alles entscheidende Sekunden vorausgegangen.

Beim Spielstand von 41:41 im Finale gegen die International School of Düsseldorf wurde Jesse Haberland vom Städtischen Gymnasium Leichlingen gefoult und trat für die Black Hawks an die Freiwurflinie. Die Uhr zeigte sechs Sekunden Restspielzeit an. Der Sohn des Trainers behielt die Nerven und verwandelte den ersten seiner beiden Freiwürfe zur 42:41-Führung. Danach galt es, diesen knappen Vorsprung über die Zeit zu retten. Sechs Sekunden, die über den Erfolg von sechs Jahren akribischer Arbeit entscheiden sollten. Noch einmal dagegenhalten, sich dem Gegner in den Weg stellen, den schnellen Pass verhindern oder diesen wenigstens hinauszögern. Und doch kommt Düsseldorf zu einem letzten Abschluss. Aber der Wurf verfehlt deutlich das Ziel, das Spiel ist aus. Es ist vollbracht. Das Städtische Gymnasium Leichlingen erreicht zum ersten Mal in seiner Schulgeschichte das Bundesfinale von „Jugend trainiert“ – und dies ausgerechnet im Jubiläumsjahr, 50 Jahre nach der Schulgründung. Der Freiwurf, die letzten Sekunden, das Ende des Spiels, der Jubel und die erleichterte Umarmung zwischen Lehrer und Trainer – all das wurde von der Schülerin Maike Schuster im Video für die Ewigkeit festgehalten.

Die letzten Sekunden des Finales im Video

Doch spulen wir noch einmal zurück zum Anfang und richten den Fokus auf Klaus Worms, den Vater des Erfolgs. Über viele Jahre hinweg hatte dieser neben seiner unterrichtlichen Lehrtätigkeit verschiedene Sportprojekte vorangetrieben und in Leichlingen Kultstatus erlangt. Auch bei „Jugend trainiert“ ging er mit seinen Schulteams an den Start, der ganz große Coup blieb allerdings aus. 2012 entschied sich Klaus Worms dann für eine berufliche Veränderung und wurde Landeskoordinator für Schulsport-Wettkämpfe im Sportministerium von Nordrhein-Westfalen. Seine Schülerinnen und Schüler reagierten geschockt, fragten ihn immer wieder, wann er denn an die Schule zurückkehre. „Bis ich es nicht mehr aushielt“, wie er selbst sagt, und zurück an seine alte Wirkungsstätte wechselte. Dem Lehrer aus Leidenschaft fehlte der tägliche Umgang mit jungen Menschen. Das war ihm klar geworden. Es ist das Jahr 2014. 

In der Folge bildete sich unter der Leitung von Klaus Worms aus jungen Schülern, die sich größtenteils schon aus Kindergartenzeiten kannten, ein neues Basketballteam heraus. In Zusammenarbeit mit Trainer Carsten Haberland vom TV Leichlingen wurde die Mannschaft weiterentwickelt und gewann in der WK IV den Titel der Giants League, einer regionalen Basketball-Schulliga im Großraum Leverkusen. 2018 erreichten die Black Hawks in der WK III das Landesfinale von „Jugend trainiert“ und scheiterten im Halbfinale am späteren Bundessieger, dem Pascal-Gymnasium Münster. Im Schuljahr 2019/20 erfolgte schließlich ein neuer Anlauf in der WK II.

Bevor es dort im oben beschriebenen Endspiel des Landesfinales zum Happy End kam, besiegten die Black Hawks in der Vorrunde die Schulmannschaften aus Paderborn und Dorsten, ehe sie im Halbfinale erneut auf das Pascal-Gymnasium Münster und die Spieler, gegen die sie zwei Jahre zuvor noch verloren hatten, trafen. Viermal in Folge hatte sich die NRW-Sportschule aus Münster zwischen 2016 und 2019 in der WK II fürs Bundesfinale qualifiziert. Aber den Black Hawks gelang die Revanche und der Sprung ins Endspiel. Der Ausgang ist bekannt. 

Jetzt hofft das Basketballteam aus Leichlingen, dass das zunächst abgesagte Frühjahrsfinale nun doch im Herbst stattfinden kann. Was es bedeutet, als junger Sportler zum Bundesfinale von „Jugend trainiert“ nach Berlin zu reisen, weiß Klaus Worms, weil er es als Schüler selbst erlebt hat. Nichts würde er sich für seine Jungs mehr wünschen, als dass auch sie diese Erfahrung machen dürfen. 

Falls das nicht möglich sein sollte, hat Klaus Worms bereits angekündigt, mit dem dreizehnköpfigen Team zu gegebener Zeit privat eine Berlinreise zu organisieren und dafür, wenn es nötig sein sollte, auch ins eigene Portemonnaie zu greifen. „Dazu stehe ich mit meinem Wort,“ sagt der Pädagoge. Er ist eben Lehrer aus Leidenschaft.

Die Black Hawks von l.n.r.: Georgios Poulis, Christos Poulis, Klaus Worms, Fabian Krotz, Bjarne Uiterwyk, Jesse Haberland (CAP), Anton Haberland, Aaron Cronauge, Julian Fröhlich, Johannes Eret, Julius Schulz, Carsten Haberland, Tim Lorenz © Maike Schuster / Städtisches Gymnasium Leichlingen

© Maike Schuster / Städtisches Gymnasium Leichlingen

© Maike Schuster / Städtisches Gymnasium Leichlingen

In der Giants League nahm die Erfolgsgeschichte der Black Hawks ihren Anfang. Auf dem Foto sind die "Baby-Falken" Tim Lorenz, Julian Fröhlich und Julius Schulz mit dem Publikumsliebling und 2,16 m-Center der Bayer Giants Leverkusen, Dennis Heinzmann, zu sehen, der damals die Siegerehrung übernommen hatte. © Klaus Worms

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