Von Kai Gemeinder
Nach dem Winterfinale ist vor den Paralympics. Gerade erst ist in Schonach die Jubiläumsausgabe „50 Jahre Winterfinale“ mit einer rauschenden Abschiedsparty zu Ende gegangen. Bei der Siegerehrung im Kurpark wurden die besten Teams im Para Ski nordisch, Skilanglauf, Skispringen und Ski Alpin bejubelt. Auf dem riesigen Screen der Seebühne zu sehen und hören war auch Johanna Recktenwald mit einer Grußbotschaft aus Italien, wo heute die Paralympischen Winterspiele 2026 eröffnet werden.
Zehn Jahre zuvor hatte die Wintersportkarriere der amtierenden Para Sportlerin des Jahres bei einem „Jugend trainiert“-Winterfinale, ebenfalls in Schonach, begonnen. Damals stand die gebürtige Saarländerin erstmals im Leben auf Langlaufski und landete unter den Augen von Nachwuchsbundestrainer Michael Huhn mit der Louis-Braille-Schule Lebach auf dem Bronzerang.
Während Johanna Recktenwalds Para Ski nordisch-Talent 2016 im Schwarzwald entdeckt und danach Schritt für Schritt weiterentwickelt wurde, feierte die zwölfjährige Leonie Walter mit der Staatl. Schule für Sehbehinderte St. Michael Waldkirch bereits ihren ersten Bundessieg. Walter dominierte fortan die Langlaufwettbewerbe und gewann bis 2019 mit ihren Teams viermal in Folge den Titel. Hinzu kommt ein Silberrang im Jahr 2015, so dass Leonie Walter bis heute die erfolgreichste „Jugend trainiert“-Teilnehmerin aller Zeiten ist.
Recktenwald, Walter und Kazmaier schon 2022 bei den Paralympics am Start
Ihre Paralympics-Premiere feierten Recktenwald und die zweieinhalb Jahre jüngere Walter zusammen bei den Winterspielen Peking 2022. Recktenwald war vor vier Jahren noch ohne Medaille geblieben, Walter kehrte mit einmal Gold (Biathlon 10 km) und dreimal Bronze (Biathlon und Langlauf) zurück. In der Folge gewann sie 2023 und 2025 vier WM-Titel im Biathlon. In diesem Jahr dürfen sich beide bei den Winter-Paralympics große Medaillenchancen ausrechnen. Denn längst gehört auch Recktenwald zur absoluten Weltspitze, wurde 2025 mit Guide Emily Weiss erstmals Weltmeisterin sowie zweimalige Vizeweltmeisterin.
Noch erfolgreicher als Johanna Recktenwald und Leonie Walter war in den vergangenen vier Jahren Shootingstar Linn Kazmaier. Bei den Paralympics 2022 gewann sie einmal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze – und das im Alter von 15 Jahren und vier Monaten. Damit ist Kazmaier bei Winterspielen die jüngste deutsche Medaillengewinnerin aller Zeiten. In den beiden Jahren danach sammelte die Baden-Württembergerin sieben Weltmeisterschaftstitel im Langlauf und Biathlon und gewann mit Guide Florian Baumann zweimal den Gesamtweltcup in beiden Disziplinen.
In den Ergebnislisten der „Jugend trainiert“-Winterfinals sucht man das Ausnahmetalent aus Nürtingen allerdings vergebens. Das heißt aber nicht, dass Kazmaier nicht bei „Jugend trainiert“ dabei gewesen wäre. Man muss nur etwas genauer hinschauen. Dann stellt man fest: 2017 nahm Linn Kazmaier als Zehnjährige mit dem Regionalteam Baden-Württemberg in der Leichtathletik am Bundesfinale von Jugend trainiert für Olympia & Paralympics teil. Eine Medaille gewann sie damals nicht. Aber sie war die mit Abstand jüngste Teilnehmerin und zählte trotzdem im Laufen, Weitsprung und Ballwurf zu den besten Para Sportlerinnen des Wettbewerbs. Schon damals stach die inzwischen 19-Jährige aus der Menge heraus.
Sturm Sabine verhindert Kazmaiers Winterfinalteilnahme
2020 hätte Kazmaier dann eigentlich auch auf Skiern bei „Jugend trainiert“ an den Start gehen sollen. Doch kurz vor Beginn des Winterfinales fegte Orkantief Sabine über Deutschland hinweg und verursachte massive Schäden. Die Langlaufwettbewerbe des Schulsportwettbewerbs mussten abgesagt werden. Damit verpasste Kazmaier den zweiten „Jugend trainiert“-Einsatz ihrer Schulzeit. Das gleiche Schicksal ereilte übrigens auch Paralympics-Teilnehmer Theo Bold, der sich ebenfalls für das Winterfinale 2020 qualifiziert hatte.
In den zwei Jahren danach fielen die Bundesfinals der Corona-Pandemie zum Opfer, so dass Kazmaier und Bold ohne winterlichen „Jugend trainiert“-Einsatz blieben.
Die Deutsche Schulsportstiftung wünscht den ehemaligen „Jugend trainiert“-Talenten, dem Duo Maya Fügenschuh/Johanna Holzmann (Guide und Ski Alpin-Patin) sowie dem gesamten Team Deutschland Paralympics eine ereignisreiche, aber sturmfreie Zeit bei den Winterspielen.
Frühere Artikel über Johanna Recktenwald, Leonie Walter und Johanna Holzmann:
25.02.2019: Die wunderbare Geschichte von Johanna Recktenwald
17.12.2023: Wie die Pandemie unserer neuen Ski-Patin den Weg zu Olympia ebnete
21.11.2025: Johanna Recktenwald: Von „Jugend trainiert“ zur Para Sportlerin des Jahres














