Von Kai Gemeinder
Vater Gavin und Mutter Jennifer haben vier Töchter: Romy (Jahrgang 2004), Leni (2007), Rieke (2010) und Anni (2013). Alle vier haben es im Laufe ihrer Schulzeit mit dem Regionalteam NRW zum Bundesfinale geschafft – ein Kunststück, das selbst im traditionsreichen Wettbewerb von Jugend trainiert für Olympia & Paralympics außergewöhnlich ist.
Romy legte den Grundstein
2016 war es soweit: Romy startete erstmals beim Winterfinale – damals in Schonach. Ein vierter Platz mit dem Team. Ein Jahr später folgte der große Moment: Silber 2017 in Nesselwang.
Für Romy war „Jugend trainiert“ ein prägender Wettkampf und Skifahren ist ihre große Leidenschaft geblieben. Heute lebt sie in Innsbruck, fährt Skiliga-Rennen und ist selbst Trainerin. Der Funke ist übergesprungen – auch auf ihre Teamkolleginnen von damals. „Von den fünf Mädels aus dem Silber-Team sind alle im Sport geblieben. Sie sind heute im Trainerbereich oder fahren noch Rennen. Das zeigt, wie wichtig solch‘ große Events sind“, sagt Gavin Stellmacher.
Leni kämpfte sich zurück ins Leben
Nach Romy war Leni an der Reihe. 2019 gewann sie mit dem Team Bronze. Doch im selben Jahr folgte die Schockdiagnose: Knochenkrebs im Knie. Zwei Jahre Krankenhaus, Operationen, Chemotherapie. Ein Kampf, der weit über den Sport hinausging.
2022 stand sie erstmals wieder am Götschen auf Skiern. Heute fährt sie DSV-Punkterennen, trainiert U12-Läuferinnen und hofft auf eine internationale Klassifizierung im Parasport – mit dem großen Ziel Paralympics. Ihre Geschichte ist ein Symbol für Mut und Willenskraft – und für das, was Sport bewirken kann.
Rieke übernahm Verantwortung
Rieke durfte aufgrund der Corona-Pandemie nur einmal starten – 2023 in Schonach. Als Älteste im Team ihrer jüngeren Schwester Anni übernahm sie Verantwortung, kümmerte sich rührend um die Jüngeren, wie Vater Gavin mit hörbarem Stolz erzählt, und führte das Team zu einem starken fünften Platz. Heute genießt sie ihr letztes Schülerjahr in der U16 – mit vielen Erinnerungen im Gepäck.
Anni schreibt ihr eigenes Kapitel
Und dann ist da noch Anni. Die Jüngste. Seit 2023 fester Bestandteil des Teams. 2024 in Nesselwang fuhr sie stark im Riesenslalom, musste jedoch krankheitsbedingt auf den Parallelslalom verzichten. 2025 wurde das Team Vierte im Gesamtklassement – knapp am Podium vorbei.
2026 bestreitet sie altersbedingt nun ihr viertes und letztes Bundesfinale. Drei Athletinnen aus dem Team des Vorjahres sind noch dabei, zwei junge Sportlerinnen neu hinzugekommen. Nach Tag 1 in Schonach liegt NRW auf Rang drei – Podestkurs. Und Anni? Sie sorgte für ein echtes Ausrufezeichen: drittschnellste Zeit im gesamten Starterinnenfeld und damit Gewinnerin des bronzenen DB-Ski, der seit einigen Jahren an die schnellsten Mädchen und Jungen des ersten Wettkampftages vergeben wird.
„Ich bin richtig, richtig fröhlich darüber, dass ich Dritte bin“, sagt Anni nach dem Rennen. „Ich bin hier schon seit vier Jahren und habe es bisher noch nicht aufs Podium geschafft. Heute war ein echt erfolgreicher Tag.“ Ob sie bei ihrem letzten „Jugend trainiert“-Auftritt Druck verspürt? „Ein bisschen schon, aber nicht mehr als in den letzten Jahren.“
Auf den Stellenwert des Schulsportwettbewerbs Jugend trainiert für Olympia & Paralympics angesprochen, sagt Vater und Team-Kapitän Gavin Stellmacher: „Es ist einfach eine tolle Sache. Wenn die Kinder bei der Eröffnungsfeier die Masse der Sportlerinnen und Sportler sehen, die anderen Sportarten – das ist beeindruckend. Man merkt morgens die Nervosität, aber auch, wie sie über die Tage Spaß entwickeln. Das ist das Schöne.“
Drei Siegerski im Garten?
Für Team-Silber 2017 und Team-Bronze 2019 gab es seinerzeit jeweils einen Siegerski pro Person. Die Ski von Romy und Leni hängen im Garten der Familie Stellmacher. Mittlerweile werden diese begehrten Skier nur noch als besondere Auszeichnung an die schnellsten Einzelfahrerinnen und -fahrer vergeben. „Ich freue mich, wenn ich den dritten Ski, den Anni heute für ihre individuelle Leistung gewonnen hat, bei uns im Garten hängen habe“, sagt Gavin augenzwinkernd. „Wenn im Sommer meine Bekannten zum Grillen kommen, kann ich ihn dann präsentieren.“
Der bronzene DB-Ski für Annis Einzelleistung ist der Familie bereits sicher. Ob auch ein weiterer Podestplatz fürs gesamte Team dazukommt, entscheidet sich im Parallelslalom. Die Ausgangslage ist vielversprechend.
Auch für Anni steht fest, wo ihr Ski hängen wird. „Auf jeden Fall neben den anderen Skiern von meinen Geschwistern", die sie als ihre sportlichen Vorbilder bezeichnet. „Und ich möchte, dass mein ganzes Team darauf unterschreibt“, fährt sie fort. Da ist er wieder – der Teamspirit von „Jugend trainiert". Große Pläne für die Zukunft hat Anni auch: „Mein Ziel ist schon Weltcup – aber ich weiß, man muss klein anfangen und darauf hinarbeiten.“
Mehr als Medaillen
Seit zehn Jahren sind die Töchter von Gavin und Jennifer Stellmacher im alpinen NRW-Regionalteam dabei, 2023 haben die Eltern zudem die Führung des Mädchenteams übernommen. Sie begleiten also nicht nur ihre eigenen Kinder, sondern übernehmen Verantwortung für viele junge Athletinnen.
„Wir sind sehr dankbar, dass unsere Kinder und auch wir als Eltern und Trainer das alles miterleben dürfen“, sagt Gavin Stellmacher. „Es war und ist eine wundervolle Zeit.“
Die zehnjährige Reise der Stellmachers zeigt, was ein Bundesfinale ausmacht: Gemeinschaft, Leidenschaft, Sportsgeist. „Jugend trainiert“ und der Name Stellmacher – das passt einfach. Morgen geht mit dem Parallelslalom das letzte aktiv-sportliche Kapitel der vier Schwestern bei „Jugend trainiert“ zu Ende. Aber die Erinnerungen an den Schulsportwettbewerb und viele gemeinsame (Familien-)Erlebnisse bleiben. Ebenso wie die Siegerskier im Garten.














