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Glück im Unglück

Dies ist die Geschichte eines Jungen, der entschieden hat, glücklich zu sein, obwohl er nicht immer Glück im Leben hatte. Es ist die Geschichte von Simon Seyfarth. Er geht auf die Schule am Andreasried Erfurt und ist Teilnehmer beim Herbstfinale 2019 in der Para Leichtathletik.

von Kai Gemeinder

Das Streben nach Glück ist so alt wie die Menschheit selbst. Wir alle suchen danach, wollen Glückseligkeit erlangen. Der Sport kann dabei helfen, glücklich zu sein oder glücklich zu werden. Und wenn dich das Glück einmal verlässt? Unser Jubiläumsbotschafter Markus Rehm, der als 14-Jähriger bei einem Wakeboard-Unfall seinen rechten Unterschenkel verlor, hat beim Pressegespräch am Sonntag gesagt: „Der Sport hat mich damals zurück ins Leben gebracht.“ Heute ist er dreifacher Paralympics-Sieger, Weltmeister, Weltrekordhalter im Weitsprung. Zwischen ihm und Simon gibt es einige Gemeinsamkeiten. Um diese und um Simon soll es hier gehen. 

Simon verließ das Glück schon sehr früh. Als Kleinkind verlor er in Folge einer heimtückischen Meningokokken-Sepsis seinen linken Fuß und beinahe sein Leben. Mittlerweile ist Simon 13 Jahre alt und musste seither über 70 Operationen über sich ergehen lassen. Unglücklich ist er aber nicht. Ganz im Gegenteil. Er sprüht geradezu vor Lebensfreude. Auch für ihn ist der Sport eine wichtige Stütze, die ihm Kraft gibt.

Simon trägt wie Markus Rehm eine Prothese. Und beide, in Simons Fall mit Unterstützung seiner Familie, setzen sich intensiv für die Inklusion von Menschen mit Handicap ein. Markus Rehm würde sich wünschen, dass olympische und paralympische Sportler, da wo es möglich ist, gemeinsam an den Start gehen dürfen, zum Beispiel in Form einer Sprintstaffel. Simon hat diesen Schritt für sich bereits vollzogen. Er spielt Fußball in einer Mannschaft, in der alle anderen zwei gesunde Beine haben. Für ihn ist das „ganz normal“ und er ist in seinem Team voll integriert. „Lass dich nicht behindern“, so formuliert es Markus Rehm immer wieder gerne – Simon setzt den Appell ganz selbstverständlich um. Mit der richtigen Einstellung kann man sein Glück nämlich ein Stück weit auch erzwingen. 

Und manchmal fliegt einem das Glück einfach zu. Simon hat einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt, weil es ein preisgekröntes Foto gibt, das ihn und seinen Vater vor einem Training der D-Junioren von VfB Grün-Weiß 1990 Erfurt in der Umkleide zeigt. Simon schnallt sich gerade seine Prothese an, sein Vater kniet vor ihm und hilft, die Plastikschiene anzulegen. Dieses Foto, das von Steve Bauerschmidt in einem flüchtigen Moment aufgenommen wurde, ist in der Kategorie Amateurfußball zum Sportfoto des Jahres gekürt worden. Natürlich ist Simon stolz darauf. Aber vor allem nutzt er die dadurch entstandene Aufmerksamkeit, um seine Geschichte zu erzählen und anderen Mut zu machen, die ähnliche Schicksalsschläge zu verkraften haben wie er selbst. Das macht Simon, ob er es will oder nicht, zum Vorbild für andere.

In seinem Erfurter Leichtathletikteam beim Herbstfinale in Berlin hingegen ist Simon, der zum ersten Mal bei „Jugend trainiert“ dabei ist, einer von vielen. Er findet es gut, dass Jugend trainiert für Olympia & Paralympics zusammengeführt wurde und alle gemeinsam im Olympiastadion ihre Wettbewerbe austragen. Dass dies – anders als in seiner Fußballmannschaft – in getrennten Wertungen stattfindet, stört ihn nicht. „Hauptsache, wir haben die Möglichkeit uns hier kennenzulernen“, sagt er.

Sportliche Ambitionen bringen die Thüringer aber auch mit. „Letztes Jahr“, so erzählt Betreuer Carsten Weiss, „ist unsere Mannschaft Vierte geworden. Sechs unserer zehn Schülerinnen und Schüler waren 2018 schon am Start und haben die tolle Atmosphäre bei der Siegerehrung in der Max-Schmeling-Halle erlebt. Diesmal wollen wir selbst aufs Podest und diesen Moment auf der Bühne genießen.“

Und tatsächlich dürfen sie das. Die Schule am Andreasried Erfurt hat in der Gesamtwertung Silber gewonnen. Der Titel geht an die Förderschule geistige Entwicklung zum Broch Merzig im Saarland. Bronze sicherte sich die Schule am Heidetor Zerbst/Anhalt aus Sachsen-Anhalt (hier geht es zu den Ergebnissen).

Für alle drei Mannschaften wird es sicherlich ein ganz besonderer Glücksmoment werden, vor 4.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf der großen Bühne zu stehen. Sie haben sich diesen Moment verdient. 
 

© alle Bilder DSSS/Sampics

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