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Herzlichen Glückwunsch, Satou!

Satou Sabally feiert heute ihren 22. Geburtstag. Beschenkt wird sie aber schon seit einer Woche, seit am 17. April ihr Name fiel. Am größten Tag ihres Lebens, wie sie selbst auf Instagram schreibt. Dem Tag, an dem die 36 talentiertesten US-College-Basketballerinnen beim Draft der nordamerikanischen Profiliga WNBA ihre neue sportliche Heimat fanden und Satous Name bereits an zweiter Stelle fiel, aufgerufen von den Dallas Wings.

von Kai Gemeinder

Seitdem ist nichts mehr, wie es vorher war. „Mein Leben und das meiner Familie wird sich verändern“, schrieb die Deutsche Nationalspielerin als Reaktion auf ihren „Number Two Pick“ in die stärkste Basketballliga der Welt. Vermutlich meint sie damit, dass sich ihr Traum von der Profikarriere nun erfüllen wird, und dass sie als deutsche Basketballerin am selben Ort den Durchbruch schaffen möchte, an dem einst Dirk Nowitzki, der übrigens zu den ersten Gratulanten zählte, seine Weltkarriere startete. Die jetzt von Experten und Journalisten angestellten Vergleiche mit dem „German Wunderkind“ ehren sie, wie sie sagt. Sie scheut diesen Vergleich aber auch nicht. Das zeichnet sie aus.

Noch aber ist Satou nicht in Dallas angekommen. Noch lebt und trainiert sie in Eugene im Bundesstaat Oregon, wo sie am College in den vergangenen drei Jahren vom Talent zur Führungsspielerin gereift ist und ganz nebenbei ihren Abschluss in Sozialwissenschaften gemacht hat. Mit dem Basketballteam der University of Oregon gewann sie dreimal in Folge die regionale Liga und schlug letzten November in einem Testspiel als zweite College-Mannschaft überhaupt die US-Nationalmannschaft, wobei Satou 25 Punkte zu diesem außergewöhnlichen Erfolg beisteuerte. An dem Tag, so sagt sie heute, sei ihr klar geworden, dass der Traum von der Profilkarriere in den USA, der einige Jahre zuvor noch unerreichbar schien, wirklich wahr werden kann. Ein paar Monate nach diesem Triumph wurde sie zudem als beste Flügelspielerin der College-Saison ausgezeichnet. 

Mit dem SLZB gewann Satou Sabally viermal den Titel bei "Jugend trainiert" 

Aber wie hat alles angefangen? Als Tochter eines gambischen Vaters und einer deutschen Mutter wurde sie in New York geboren, lebte als Kleinkind drei Jahre in Gambia und kam danach mit ihrer Familie nach Berlin. Dort wurde sie als Neunjährige von ihrer späteren Trainerin auf einem Spielplatz entdeckt. Nicht wegen ihres noch verborgenen Talents, sondern wegen dem Offensichtlichen, ihrer Größe (heute misst Satou Sabally 1,92m). Mit Basketball war Satou zuvor kaum in Berührung gekommen. Beim ersten Spiel dachte sie, ihr Team hieße „Defense“, weil das alle gerufen hätten, wie sich Satou im Interview mit dem Tagesspiegel lachend erinnert. Danach spielte sie für DBC Berlin und TuS Lichterfelde und wechselte auf das Schul- und Leistungsportzentrum Berlin. In dieser Zeit, mit der optimalen Verbindung zwischen schulischer und sportlicher Ausbildung, legte Satou den Grundstein für ihre späteren Erfolge und machte auch bei Jugend trainiert für Olympia & Paralympics auf sich aufmerksam.

Zwischen 2012 und 2015 gewann sie viermal in Folge mit dem SLZB beim Bundesfinale den Titel im Basketball. Zudem wurde sie im April 2015 Vizeweltmeisterin bei der Schul-WM, inklusive der Auszeichnung zur besten Spielerin des Turniers. Aufgrund dessen durfte sie bei der Abschlussveranstaltung des Frühjahrsfinales 2015 als aktive Teilnehmerin sogar die „Jugend trainiert“-Flamme in der Max-Schmeling-Halle entzünden. Diesen Part übernehmen üblicherweise gestandene Sportstars. Bei Satou machten die Organisatoren eine Ausnahme. Das dazugehörige Foto (siehe rechts) nutzte die damals 17-Jährige in der Folge anderthalb Jahre lang als Profilbild auf Facebook. Mittlerweile ist sie selbst auf dem besten Weg, ein Sportstar zu werden. Nur vier Spielerinnen aus Deutschland haben vor ihr jemals den Sprung in die WNBA geschafft. Und noch nie wurde bei einem NBA oder WNBA Draft ein deutsches Talent so früh gezogen. Dirk Nowitzki beispielsweise wurde seinerzeit 1998 an neunter Stelle "gepickt", wie es im Englischen heißt.

Dirk Nowitzki und LeBron James gratulieren zum Draft
 
Das alles mögen Gründe sein, warum zu den Gratulanten und Gesprächspartnern in den Live-Chats der Social Media Welt neben Dirk Nowitzki auch Legenden wie LeBron James, Stephen Curry und Richard Jefferson zählen. Wie gesagt, seit dem 17. April ist nichts mehr, wie es einmal war. Es ist aber nicht nur die Sportlerin, die quasi im Minutentakt Anrufe und Interviewanfragen erhält und deren Postfach gerade überquillt. Satou wird als Mensch, als Persönlichkeit mit Charakter wertgeschätzt. Und das ist ihr auch überaus wichtig. 

Die junge Frau ist selbstbewusst, gradlinig, sagt was sie denkt und prangert schon seit Längerem offen Missstände wie Rassismus, Diskriminierung oder mangelnden Respekt in der Gesellschaft an. Deshalb engagiert sie sich auch in der von LeBron James gegründeten Bewegung „More than an athlete“ und steht mit dem dreimaligen NBA-Champion in Kontakt. Genau wie der Superstar möchte sie nicht auf das rein Sportliche reduziert werden, sondern wirbt dafür, den Menschen hinter der „Sportlermaske“ zu sehen. Und dieser Mensch ist politisch, sozialkritisch, kulturell geprägt und vieles mehr.

Unmittelbar vor dem Draft 2020 postete Satou auf Instagram ein Kinderbild von sich und ihrem Bruder mit dem handschriftlichen Vermerk „Mehr als ein Athlet“. Nach dem Draft folgte ein weiteres Foto, das Satou in einem Hoodie mit dem deutschsprachigen Slogan zeigt. Satou Sabally nutzte also den Moment ihres bisher größten sportlichen Erfolgs und die damit verbundene Aufmerksamkeit, um eine Botschaft zu verbreiten: „Seht her! Ich bin mehr. Ich kann mehr. Ich bin mehr als ein Athlet.“

Das macht sie zu einem echten Vorbild. Dazu und zum bisher Erreichten kann man ihr nur gratulieren. Und zum Geburtstag natürlich auch.
 

Das Bild zeigt Satou Sabally beim Frühjahrsfinale im Mai 2015 in Berlin. Zum ersten Mal überhaupt entzündete eine Teilnehmerin bei der Abschlussveranstaltung von "Jugend trainiert" die Flamme.

Es ist deutlich zu sehen, dass die 17-Jährige den Abend sehr genoss.

Zuvor hatte die Berlinerin mit ihrer Schule zum vierten Mal in Folge den Bundessieg im Basketballturnier des Wettbewerbs erreicht.

Dem Erfolg mit dem SLZB sollten sich in den Jahren danach viele weitere anschließen. Bis hin zum Draft in die WNBA. Ab der kommenden Saison wird Satou Sabally für die Dallas Wings auf Korbjagd gehen. © alle Bilder DSSS/sampics

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