Von Kai Gemeinder
Geprägt waren die Tage in der Hauptstadt von spannenden Wettkämpfen, beeindruckenden Leistungen, mitreißender Stimmung in den Hallen und der besonderen Atmosphäre eines Events, das junge Talente inspiriert und verbindet. Begeisterung löste die Multisportveranstaltung nicht nur bei den Schülerinnen und Schülern aus, sondern auch bei der anwesenden Sport- und Politprominenz, die zahlreich wie selten erschienen war.
Anna Stolz, Präsidentin der Bildungsministerkonferenz und Staatsministerin für Unterricht und Kultus in Bayern, sagte: „Hier zeigen Sporttalente, dass Leistung etwas verdammt Cooles ist.“ Die Teilnehmenden bezeichnete Stolz als „großartige junge Vorbilder“. Während DOSB-Präsident Thomas Weikert, der als Schüler selbst am Wettbewerb teilgenommen hat, betonte, „Jugend trainiert“ sei sehr wichtig, um Kinder und Jugendliche an Olympische und Paralympische Spiele heranzuführen, ging Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner noch einen Schritt weiter, als er mutmaßte: „Vielleicht sehen wir hier einen zukünftigen Goldmedaillengewinner oder eine Goldmedaillengewinnerin.“
Olympiasieger Robert Harting kam über den Schulsport und „Jugend trainiert“ zur Leichtathletik
Abwegig ist das nicht. Diskus-Olympiasieger und Dreifach-Weltmeister Robert Harting zum Beispiel bestritt seine ersten Leichtathletikwettbewerbe bei „Jugend trainiert“ – und zwar im Schulteam der Lausitzer Sportschule Cottbus. Im Verein hatte er zuvor lieber Handball gespielt. „Ich bin froh, dass ich damals durch Jugend trainiert für Olympia zur Leichtathletik gekommen bin. Von da an war es mein Traum, Olympiasieger zu werden“, verriet Harting vor einigen Jahren im Interview. Beim Frühjahrsfinale 2026 durfte der Wahl-Berliner bei der Abschlussfeier in der Max-Schmeling-Halle die „Jugend trainiert“-Flamme entzünden. (Die Schlussfeier ist auf YouTube in voller Länge zu sehen.)
Neben Robert Harting, seit 2019 Jubiläumsbotschafter und Leichtathletik-Pate des Schulsportwettbewerbs, besuchten unter anderem die Turn-Patinnen Michelle Timm und Meolie Jauch, die Handball-Paten Niels Lichtlein und Tim Freihöfer, Basketball-Patin Finja Straube und Judo-Pate Alexander Wieczerzak das Frühjahrsfinale. Allesamt feierten sie zu Beginn ihrer sportlichen Karrieren Erfolge bei „Jugend trainiert“. Gleiches gilt für die DOSB-Präsidiumsmitglieder Kim Bui (Olympia-Turnerin) und Mareike Miller (Paralympics-Siegerin im Rollstuhlbasketball), die zusammen mit der gesamten Führungsetage des DOSB bei der Abschlussfeier und Siegerehrung des Frühjahrsfinales zu Gast waren und bereits zuvor im Pressegespräch den Stellenwert des Schulsportwettbewerbs für die Talentförderung in Deutschland hervorgehoben hatten.
DVV-Nachwuchsbundestrainer Justin Wolff reiste für Sichtung einer Spielerin mit dem Nachtzug nach Berlin
Einen dazu passenden Beleg lieferte Justin Wolff, Nachwuchsbundestrainer im Deutschen Volleyball-Verband. Um Sophia Thust aus Sachsen-Anhalt vor der Nominierung seines U18-EM-Kaders noch einmal live sichten zu können, war der Coach extra über Nacht mit dem Zug von Stuttgart nach Berlin gereist. Die Spielerin lieferte, der Trainer zeigte sich hochzufrieden. „Sportlich gesehen war das hervorragend“, sagte Wolff und kündigte an: „Ich würde mich riesig freuen, wenn sie im Sommer bei der Nationalmannschaft dabei ist.“ Das zeigt eindrucksvoll, welche Bedeutung „Jugend trainiert“ als Schnittstelle zwischen Schule, Verein und Nationalteam für junge Athletinnen und Athleten haben kann.
Aber nicht nur in Sachsen-Anhalt gibt es herausragende Volleyball-Talente. Ihr Können in der Sportart, die bereits seit 1970 zum „Jugend trainiert“-Programm gehört, stellten insbesondere die bayerischen Schulteams unter Beweis. Vier verschiedene Schulen hatten sich fürs Bundesfinale qualifiziert, alle erreichten das Endspiel. Am Ende sprang einmal Gold und dreimal Silber für den Freistaat heraus. Danach kam es bei den Siegerehrungen vor Ort und in der Max-Schmeling-Halle zu kuriosen Szenen.
Weil das U18-Jungen-Team vom Gymnasium München Nord direkt nach dem Finalmatch abreisen musste, nahmen stellvertretend die Gerätturner vom Lise-Meitner-Gymnasium Unterhaching die Silbermedaillen entgegen. Die Turner hatten in ihrem eigenen Wettbewerb ebenfalls Edelmetall gewonnen und wollten die Volleyballfinals eigentlich nur als Zuschauer verfolgen. Auch bei der abendlichen, großen Siegerehrung in der Max-Schmeling-Halle übernahm ein Unterhachinger die Statistenrolle auf dem Podest und sorgte unter den rund 4.000 Personen auf den Tribünen für staunende Blicke. Felix Buchner zeigte mal eben so aus dem Stand einen Rückwärtssalto – ein Kunststück, das man wohl kaum von einem U18-Volleyballer erwarten würde.
Hessen klettert erstmals im Medaillenspiegel der Bundesländer auf Platz eins
Die eigentlichen Gewinner des Abends – oder besser gesagt: des Frühjahrsfinales – waren aufgrund ihres grandiosen Abschneidens bei den Wettbewerben allerdings die Schulteams aus Hessen. Erstmals in der Geschichte des Wettbewerbs besetzte das Bundesland aus der Mitte Deutschlands den Thron im Medaillenspiegel. (Hier geht es zum Ranking und allen Podestplatzierungen.)
25 Siegerehrungen wurden in der Max-Schmeling-Halle zelebriert, 13 Mal wurde ein hessisches Schulteam aufgerufen. Sechsmal Gold, fünfmal Silber und zweimal Bronze sicherten sich die Sporttalente aus Hessen. Größten Anteil am Gesamterfolg hatte die Carl-von-Weinberg-Schule Frankfurt am Main. Mit neun Teams war die Eliteschule des Sports nach Berlin gereist und krönte sich zur erfolgreichsten Schule Deutschlands. Vier Bundessiege gingen allein auf das Konto der Nachwuchskräfte aus der Mainmetropole. Was daran besonders beeindruckt: Frankfurt gewann die vier Titel in vier verschiedenen Sportarten, nämlich im Badminton, Basketball, Gerätturnen und Tischtennis. Die übrigen Teams der Schule belegten zweite, dritte und fünfte Plätze – eine außergewöhnliche Bilanz.
Und ganz zum Schluss kam für Hessen auch noch Glück hinzu, als Hilke Lehmann vom Hauptsponsor Deutsche Bahn bei der Verlosung des DB-Riesentrikots die Alexander-Schmorrel-Schule Kassel als Gewinner zog. Die Schule hatte im Para Tischtennis Silber geholt und durfte zusätzlich das Trikot mit nach Hause nehmen, auf dem zuvor alle 75 Podestplatzierten unterschrieben hatten.
Von der Kulisse in der Max-Schmeling-Halle und den gezeigten Leistungen der Sporttalente aus ganz Deutschland beeindruckt, sagte Dr. Babette Kibele, Abteilungsleiterin für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt, das Bundesfinale sei „das beste Zeugnis dafür, dass wir in Deutschland Olympische und Paralympische Spiele beherbergen können“.
„Sport ist der Kitt in unserer Gesellschaft“ und „Jugend trainiert“ leistet hier einen wichtigen Beitrag
Losgelöst von sportlichen Erfolgen wurde erstmals bei einem Bundesfinale das SpOrt365-Gelände im Görlitzer Park zum „Jugend trainiert“-Community-Treffpunkt. Ein vielfältiges Sportprogramm, zwei interaktive Quizangebote sowie Workshops zu den Themen „Real Talk – Was du durch Sport wirklich lernst“ und „Sport handelt Fair – Was steckt in deinem Ball?“ boten Gelegenheit zum Austausch und gegenseitigen Kennenlernen abseits der Wettkämpfe.
Den Raum für Austausch zu schaffen, ist wichtig, schließlich geht es beim Schulsportwettbewerb um mehr als Gold, Silber und Bronze. „Jugend trainiert“ trägt zur Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen bei, steht für Werte wie Respekt, Fair Play und Vielfalt, fördert Inklusion und das Miteinander.
Von der verbindenden Kraft des Sports sprach auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner, der zugleich Schirmherr der Berliner Bundesfinalveranstaltungen ist. „Der Sport ist der Kitt in unserer Gesellschaft. Er ist gerade in diesen Zeiten von ganz überragender Bedeutung. Der Sport bringt Kinder, Jugendliche, Menschen zusammen aus unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichen Herkünften, aus unterschiedlichen sozialen Umfeldern“, sagte er. Man schließe Freundschaften und nehme etwas mit fürs ganze Leben. Deswegen sei auch die Veranstaltung Jugend trainiert für Olympia & Paralympics für ihn sehr wichtig. Das Bundesfinale adelte Wegner als „ein großartiges Sportereignis“.
Diese Einschätzung teilt Para Tischtennis-Pate Jochen Wollmert und verband sie im Rahmen der Abschlussfeier mit dem Wunsch, dass nicht nur im öffentlich-rechtlichen Regionalprogramm, sondern auch bei ARD und ZDF über Jugend trainiert für Olympia & Paralympics berichtet werden sollte. Für diesen Appell erhielt der fünfmalige Paralympics-Champion großen Beifall von den Kids auf den Rängen, die im fairen Wettstreit wieder einmal gezeigt haben, „dass Leistung etwas verdammt Cooles ist“.
Apropos Medien: Die schönsten Momente des Frühjahrsfinales 2026 haben wir auf YouTube in einem dreiminütigen Highlightfilm sowie zahlreichen Videos, unter anderem aus den Sporthallen im Badminton, Basketball, Gerätturnen, Goalball, Handball, Para Tischtennis, Rollstuhlbasketball, Tischtennis und Volleyball, für euch festgehalten. In der Mediathek befinden sich zudem die besten Fotos einer ereignisreichen Finalwoche in Berlin.



















