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Robert Harting: Wie ein „dunkles Loch“ zu seinem Wohnzimmer wurde

Von „Jugend trainiert“ zu Olympia. Robert Harting zählt zu den bekanntesten Athleten Deutschlands. Der Diskuswerfer hat sportlich alles erreicht, was man erreichen kann. Seine Siegesposen sind legendär. Für seine Erfolge wurde er vielfach ausgezeichnet. Dass der Olympiasieger von 2012 über den Schulsport und „Jugend trainiert“ zur Leichtathletik gekommen ist, wissen hingegen nur wenige. Im vierten Teil unserer Serie würdigen wir den Menschen und Sportler Robert Harting.

Von Kai Gemeinder

Nachdem Robert Harting im Frühjahr 2018 sein bevorstehendes Karriereende verkündet hatte, adelte ihn der "Tagesspiegel" in einer Schlagzeile mit den Worten „Vorbild, Kampfsau, Lichtgestalt“. Die "Welt" titelte: „Abschied eines Idols“. Attribute wie diese werden im Sport zurecht nur denjenigen zugeschrieben, die auf und abseits der sportlichen Bühne herausstechen. Robert Harting ist ein solcher Mensch. Welche Erfolge er feierte, wieso Diskuswurf als Disziplin so gut zu einem wie Robert Harting passt, womit er Fans und Presse in seinen Bann zog und was es mit dem Wohnzimmer auf sich hat? Dieser Beitrag liefert Antworten, geht aber auch zurück zum Anfang der ruhmreichen Karriere des Robert Harting. 

Diskus gilt gemeinhin als eine der komplexesten und schwierigsten Disziplinen der Leichtathletik. Mit Wucht allein kommt man nicht weit. Vielmehr ist die dynamische Feinjustierung unterschiedlichster Bewegungsabläufe und Winkelstellungen, bei denen der ganze Körper in aufeinander abgestimmten Wurfphasen gefordert ist, auschlaggebend für einen gelungenen Versuch. Von der Hand, die den Diskus hält und im Moment der maximalen Energieübertragung auf die Reise schickt, bis zur Fußspitze, die in den Augenblicken danach, während sich das gesamte Wurfsystem noch in Rotation befindet, dem Druck standhalten und die Balance finden muss, damit der Athlet den Wurfkreis nicht übertritt, ist der gesamte Körper involviert. 

Kurz gesagt: Es ist kompliziert. Diskuswurf ist eine Disziplin, die zu einem passt, der sich nur selten mit 99% zufrieden gibt, der als Perfektionist gilt, der sich und sein Umfeld stets maximal fordert. 200% Einsatz zeigen, um 100% Leistung abrufen zu können, dem eigenen Körper und Geist alles abverlangend, stets bereit, an die Schmerzgrenze und oft genug über sie hinaus zu gehen. Mentale Stärke, Durchhaltevermögen, Akribie, Fleiß und nicht zuletzt der absolute Siegeswillen zeichnen den Athleten Robert Harting aus. 

Seine Fans lieben ihn dafür, seine Gegner lehrte er das Fürchten. Zwischen 2009 und 2014 erlebte Harting die erfolgreichste Zeit seiner sportlichen Karriere. In diesen fünf Jahren wurde der Wahl-Berliner dreimal Weltmeister, zweimal Europameister, einmal Olympiasieger. Dreimal in Folge wurde er 2012, 2013 und 2014 in Deutschland zum Sportler des Jahres gekürt. In seinen besten Jahren war Harting kaum zu bezwingen – und das, obwohl er sich im Oktober 2011 einer Operation der Patellasehne unterziehen musste, die ihm auch danach noch Schmerzen bereitete. 

Berühmt ist Harting jedoch nicht allein wegen der beeindruckenden Titelsammlung. Auch sein Siegesjubel ist legendär. Im Anschluss an die größten Erfolge zerriss er sein Trikot und präsentierte seinen muskelbepackten Oberkörper. Diese Pose wurde zu Hartings Markenzeichen. Als er sich in London 2012 den Traum vom Olympiasieg erfüllte, war es nicht anders. Alle warteten darauf, Harting lieferte. Er zelebrierte den Moment, zögerte ihn hinaus, spielte mit den Fotografen. Dann war der Augenblick des heroischen Siegers gekommen, der sich kraftvoll das Trikot vom Körper reißt und seinen Jubel herausschreit. Die Bilder erinnern an einen Krieger nach geschlagener Schlacht. Den Zehntausenden im Stadion und Millionen an den Bildschirmen bot sich im Anschluss aber noch ein ganz anderer Harting, einer, dem kindliche Freude ins Gesicht geschrieben stand; einer dem immer noch nach spielen zu Mute war. Bei seiner Ehrenrunde – weiterhin mit nacktem Oberkörper, dafür bestückt mit einer Deutschlandfahne, die ihm im Nacken wehte –, übersprang der ca. 130 kg schwere Zweimetermann zum Vergnügen der Fans genauso wie zu seinem eigenen die Hürden, welche gerade für das 100m-Finale der Frauen aufgestellt worden waren. Die Menschen erlebten in dieser Szene den spitzbübischen Robert Harting und feierten ihn dafür.

Seine Karriere beendete der Diskuswerfer sechs Jahre später, am 02. September 2018 beim ISTAF im Berliner Olympiastadion vor den eigenen Fans, die ihn ein letztes Mal frenetisch bejubelten. Das Olympiastadion war im Laufe der Jahre zu seinem „Wohnzimmer“ geworden. 2009 hatte er hier seinen Durchbruch gefeiert, als er bei der Heim-WM erstmals Weltmeister wurde. Zwischen 2010 und 2014 gewann er beim ISTAF fünfmal in Folge, insgesamt ging er hier neunmal an den Start. Das ISTAF sei einfach sein Heimspiel, sein Zuhause. Der richtige Ort also für den letzten großen Wurf.

Dass Harting das Berliner Olympiastadion als sein “Wohnzimmer“ bezeichnete, war aber nicht immer so. Und damit kommen wir zum zweiten Teil der Geschichte des Robert Harting. Wir gehen zurück zum Anfang seiner sportlichen Karriere. An seinen Geburtsort. Nach Cottbus.

„Ich bin froh, dass ich damals durch Jugend trainiert für Olympia zur Leichtathletik gekommen bin. Von da an war es mein Traum, Olympiasieger zu werden.“

Robert Harting bekam das Leichtathletikgen gewissermaßen mit in die Wiege gelegt. Sein Vater war ebenfalls Diskuswerfer, seine Mutter Kugelstoßerin. Trotzdem entschied sich Robert als Kind zunächst für den Handballsport und spielte im Verein beim USC Cottbus. Erst nachdem er 1997 im Alter von 12 Jahren auf die Lausitzer Sportschule Cottbus wechselte, wurde sein Talent in den Disziplinen, die auch seine Eltern leistungssportlich betrieben hatten, gefördert. Seine ersten Leichtathletikwettbewerbe absolvierte der Sporteliteschüler 1998 bei „Jugend trainiert“ und qualifizierte sich prompt mit seiner Schulmannschaft fürs Bundesfinale in Berlin. 

Die Entscheidungen in der Leichtathletik fanden im Olympiastadion statt, wobei sich das Bauwerk, das Anfang der 2000er Jahre saniert und modernisiert wurde, 1998 in marodem Zustand befand. Als Robert Harting 2019 an gleicher Wirkungsstätte als Jubiläumsbotschafter von „Jugend trainiert“ vorgestellt wurde, sagte er: „Heute wirkt es freundlich. Damals war das Olympiastadion für mich ein großes dunkles Loch. Ich hatte Gänsehaut.“ So düster die Kulisse, so erfreulich war das sportliche Ergebnis. Die Lausitzer erzielten einen guten fünften Platz. 

Noch besser lief es für Cottbus ein Jahr darauf beim Bundesfinale 1999. Auch 20 Jahre später fängt Harting an zu strahlen, wenn er davon erzählt: „Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen ersten großen sportlichen Erfolg im Olympiastadion. Wir sind damals mit den letzten beiden Disziplinen in der Leichtathletik noch auf den zweiten Platz gekommen. Wir waren vorher Vierter. Und das war einfach nur geil. Ich habe damals als Landessieger diesen Pullover der Sportschule Lausitz mit Stolz getragen. Dann in Berlin beim Bundesfinale Zweiter zu werden, war unglaublich. Das war vorher gar nicht in meinem Kopf. Aber es war das, wovon man immer gehört hat, wovon unsere Lehrer immer gesprochen hatten. Und es war ein tolles Gefühl, an diesem Tag mit der Schule Silber zu gewinnen.“ Damals war Robert 14 Jahre alt und steuerte als Bester seiner Schule wertvolle Punkte im Kugelstoßen und Ballwurf bei. Es war der Beginn einer außergewöhnlichen Karriere. „Ich bin froh, dass ich damals durch Jugend trainiert für Olympia zur Leichtathletik gekommen bin. Von da an war es mein Traum, Olympiasieger zu werden,“ verrät Harting. 

Robert Harting nahm mit zwei Eliteschulen des Sports an Jugend trainiert für Olympia teil

Seinen Durchbruch und ersten großen internationalen Titel feierte Harting wie erwähnt im Olympiastadion bei der Heim-WM 2009. Aber den Grundstein dafür legte er an gleicher Stelle bereits zehn Jahre zuvor und setzte fortan alles daran, seine sportlichen Ziele zu verwirklichen. Im Jahr 2000 wechselte der damals 15-jährige Schüler Robert Harting von der Sportschule in Cottbus an die Werner-Seelenbinder-Schule Berlin, die ebenfalls den Status einer Eliteschule des Sports hatte. In der Hauptstadt versprach sich das ehrgeizige Nachwuchstalent bessere Trainings- und Entwicklungsmöglichkeiten. Auch mit den Berlinern nahm Robert Harting an Jugend trainiert für Olympia teil und erreichte erneut das Bundesfinale.

Dass Harting 2019 gefragt wurde, ob er zum 50-jährigen Jubiläum des Schulsportwettbewerbs Botschafter werden wolle, fand er gut, weil er selbst als Schüler so positive Erfahrungen bei „Jugend trainiert“ gesammelt hatte. „Jugend trainiert für Olympia war für mich damals eine gigantische Sache. Ich weiß noch, wie wir mit der ganzen Mannschaft eine Pyramide gebaut haben, fünf unten, vier darüber und so weiter, bis wir umgefallen sind. Es war einfach eine riesen Veranstaltung. ‚Jugend trainiert‘ ist cool, weil die Schule, auf der man ist, und die Schüler, die einen umgeben, zusammenhalten können – nicht nur beim Pyramidenbau. Dass man zu einem Team und einer Schule gehört, ist eine wertvolle Erfahrung, gerade für diejenigen, die später einmal in Einzelsportarten landen. Die Zeit, in der man zusammen ist, gemeinsam sportlich etwas erreichen kann, ist deshalb schon etwas ganz Besonderes“, reflektiert Harting und zieht Parallelen zu den Olympischen Spielen: „Jugend trainiert für Olympia & Paralympics heißt letzten Endes, dass man mit Sport und Wettbewerb in Berührung kommt und mit den Prozessen einer sportlichen Großveranstaltung vertraut wird. Die Verbindung zu den Olympischen Spielen, sich in einem sportlichen Kontext zu präsentieren, ist schon gegeben. Die Größenordnung ist zwar eine andere, aber ähnlich sind sich beide Wettbewerbe trotzdem.“

Robert Harting weiß, wovon er spricht. Je dreimal nahm er an „Jugend trainiert“ und den Olympischen Spielen teil. Seinen ersten Auftritt im Berliner Olympiastadion hatte er bei „Jugend trainiert“ 1998, seinen letzten beim ISTAF 20 Jahre danach. Das „dunkle Loch“ von damals wurde über die Jahre zu seinem „Wohnzimmer“.

Heute betreut Harting als CEO und Gesellschafter der Sportmarketingagentur „BTR - Brands Talents Rights“ zahlreiche ehemalige und aktuelle Spitzensportlerinnen und -sportler. Auch manche von ihnen nahmen einst an „Jugend trainiert“ teil und erfüllten sich später ihren olympischen Traum oder arbeiten aktuell daran. Mit Robert Harting haben Sie einen meinungsstarken Instinktmenschen an ihrer Seite. Ein Vorbild, eine Kampfsau, eine Lichtgestalt. Einen, der es von „Jugend trainiert“ zu Olympia geschafft hat und noch weit darüber hinaus.
 

Die Bilder zeigen Robert Harting beim Frühjahrsfinale 2019, bei dem er als Jubiläumsbotschafter von "Jugend trainiert" vorgestellt wurde.

Philipp Boy, Britta Steffen und Mathias Schulze zählten ebenfalls zu den Botschafter*innen, die an diesem Tag bei der Pressekonferenz im Olympiastadion dabei waren. © beide Bilder von der PK: DSSS/sampics

Auch beim Aktionstag im September 2020 war Robert Harting als Botschafter von "Jugend trainiert" vertreten, um auf die Notwendigkeit von Spiel, Sport und Bewegung hinzuweisen und ein Zeichen für den Schulsport zu setzen.

Natürlich war der Diskus-Olympiasieger auch sportlich aktiv und trat gegen Schüler*innen der Moabiter Grundschule im Dribbel-Parcours an.

Robert Harting sagt: “Schulsport ist elementar für Geist und Körper. Eine kurze Aktivität in der Schule reguliert Hirnströme und lässt Kids klarer denken. Darüber hinaus haben Menschen zwei Dinge, mit denen sie im Leben klar kommen müssen: Mit dem, was im Kopf, und mit dem, was im Körper steckt. Wir wissen alle, dass nicht alle gleich sind. Von daher bietet der Schulsport auch körperliche Orientierung.” © alle Bilder vom Aktionstag: DSSS

Weitere Eindrücke vom Aktionstag und Aussagen von Robert Harting, können hier im kurzen Video angeschaut werden. Einfach auf das Bild klicken.

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