Von Kai Gemeinder
Wenn die Jugend vom 15. bis 19. September zum Herbstfinale 2026 in Berlin zusammentrifft, kämpft sie nicht nur um 28 Bundessiege in 13 Sportarten, sie trainiert auch buchstäblich für Olympia und Paralympics – vielleicht sogar im eigenen Land. Mit welcher Stadt oder Region sich Deutschland um die Ausrichtung künftiger Olympischer und Paralympischer Spiele bewerben wird, entscheidet sich genau eine Woche nach Beendigung des Herbstfinales am 26. September 2026 bei der DOSB-Mitgliederversammlung.
Ob Berlin, München oder KölnRheinRuhr für Deutschland ins Rennen um die Spiele 2036, 2040 oder 2044 gehen wird, ist noch völlig offen. Beim Schulsportwettbewerb Jugend trainiert für Olympia & Paralympics, der einst im Vorfeld der Sommerspiele München 1972 ins Leben gerufen wurde, stellt sich die Standortfrage bislang nicht. Seit 1969 finden die Bundesfinals der Sommersportarten, inzwischen zweimal jährlich, in Berlin statt – im Herbst 2026 zum mittlerweile 108. Mal.
Die Liste derer, die einst bei „Jugend trainiert“ wertvolle, leistungssportliche Erfahrungen gesammelt haben und später bei Olympischen oder Paralympischen Spielen dabei waren, ist lang. Sehr lang. Die ambitioniertesten Nachwuchskräfte von heute streben mit Sicherheit danach, dass auch ihre Namen irgendwann dieser Liste hinzugefügt werden.
Für das diesjährige Herbstfinale qualifiziert haben sich 3.600 Schüler*innen sowie 700 Lehrkräfte und Betreuer*innen mit 404 Schulteams aus ganz Deutschland. Sie treten an, um sich in zehn olympischen und drei paralympischen Sportarten miteinander zu messen. Rechnet man die rund 800 Offiziellen und Helfer*innen sowie 120 Ehrengäste und VIPs hinzu, sind mehr als 5.200 Menschen an der Bundesfinalveranstaltung beteiligt.
Die 28 sportlichen Entscheidungen des Herbstfinales 2026 fallen zwischen dem 16. und 18. September in den Sportarten Beach-Volleyball, Fußball, Fußball ID, Golf, Hockey, Judo, Leichtathletik, Para Leichtathletik, Rudern, Schwimmen, Para Schwimmen, Tennis und Triathlon, wobei dem Nachwuchs 14 Sportstätten zur Verfügung stehen, die sich auf das gesamte Berliner Stadtgebiet verteilen.
Kleine Olympische und Paralympische Spiele beim Herbstfinale erleben
Interessierte haben die Möglichkeit, die Sportstätten während der Wettbewerbe bei freiem Eintritt zu besuchen. Außerdem können zahlreiche Entscheidungen im Livestream auf SolidSport nach kostenfreier Registrierung verfolgt werden. Nur im Golf und Rudern kann dieses Angebot aus technischen Gründen nicht bereitgestellt werden. Neu hinzu kommt, dass ausgewählte Sportarten auch direkt auf dem „Jugend trainiert“-YouTube-Kanal live zu sehen sind.
Zum krönenden Abschluss des Herbstfinales werden am 18. September um 20:00 Uhr (Einlass mit Akkreditierung ab 18:30 Uhr) bei der Siegerehrung mit Showprogramm und prominenten Gästen die besten Schulteams der Bundesrepublik in der Max-Schmeling-Halle geehrt. Viele Schulsporttalente werden hinterher sagen, dass sich das Herbstfinale wie kleine Olympische und Paralympische Spiele angefühlt hat.
Aber nicht erst zur Abschlussveranstaltung können die Teilnehmenden den besonderen Spirit dieses Multisportevents erleben. Schon bei der Ankunft am 15. September am Berliner Hauptbahnhof, wo sich die Schulmannschaften akkreditieren, werden die Schüler*innen aus unterschiedlichen Bundesländern und Sportarten aufeinandertreffen.
Um das gegenseitige Kennenlernen und den Austausch zu vertiefen, steht der „Jugend trainiert“-Community zusätzlich am Donnerstag, den 17. September, von 15:00-20:00 Uhr das SpOrt365-Gelände im Görlitzer Park zur Verfügung. Freuen dürfen sich die Kinder und Jugendlichen auf einen DJ, Foodtrucks, eine T-Shirt-Druckmaschine, Sport-Challenges, Gewinnspiele, einen Nachhaltigkeitsstand, ein Präventions-Tool der NADA und vieles mehr.
Bei „Jugend trainiert“ können und sollen die Teilnehmenden neben hochklassigen, sportlichen Wettbewerben auch Gemeinschaft sowie Werte wie Vielfalt, Toleranz und Respekt hautnah erleben. Das Angebot im Görlitzer Park leistet hierzu einen wichtigen Beitrag.
Prominenz aus Sport und Politik zum Bundesfinale erwartet
Ihren Besuch des Herbstfinales haben unter anderem folgende Persönlichkeiten angekündigt: Berlins scheidender Regierender Bürgermeister und Schirmherr des Bundesfinales Kai Wegner, Berlins Senatorin für Bildung, Jugend und Familie Katharina Günther-Wünsch, Berlins Staatssekretärin für Sport Franziska Becker, Berlins Staatssekretärin für Bildung, Jugend und Familie Christina Henke, Mitglieder der Sportausschüsse des Deutschen Bundestages und Berliner Abgeordnetenhauses, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes Hans-Jörg Michels, die Präsidenten der Landessportbünde Berlin, Bayern und Nordrhein-Westfalen – namentlich Thomas Härtel, Jörg Ammon und Stefan Klett – sowie die „Jugend trainiert“-Pat*innen Kirsten Bruhn (Para Schwimmen), Max Munski (Rudern), Katrin Holtwick und Victoria Bieneck (beide Beach-Volleyball), Ole Bischof und Alexander Wieczerzak (beide Judo).
Darüber hinaus wird Karla Borger, die als Vizeweltmeisterin im Beach-Volleyball 2013, Olympiateilnehmerin 2016 und 2021 sowie ehemalige Präsidentin von Athleten Deutschland e.V. gerade ihr sportliches Karriereende verkündet hat, erstmals ein Bundesfinale besuchen. Sie wird sich die Beach-Wettbewerbe anschauen und am 16. September beim Get-together in der Hessischen Landesvertretung in ein Podiumsgespräch eingebunden.
Wie sich die Olympia- und Paralympics-Bewerbung positiv auf die Weiterentwicklung der Sportkultur in Deutschland auswirken soll
Bereits kurz zuvor, am 16. September um 17:00 Uhr, wollen sich die drei LSB-Präsidenten aus Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen auf Einladung der Deutschen Schulsportstiftung in der Hessischen Landesvertretung treffen. Sie wollen sich gemeinsam dafür aussprechen, dass von der deutschen Olympia- und Paralympics-Bewerbung ein Booster für den Kinder- und Jugendsport im ganzen Land ausgehen muss – und zwar unabhängig davon, ob sich Berlin, München oder KölnRheinRuhr im nationalen Bewerbungsverfahren durchsetzen wird. Die Landessportbünde der Bewerberstädte bzw. -regionen regen an, auf den nationalen Wettbewerb die bundesweite Allianz aller sport- und bildungspolitischen Akteure folgen zu lassen.
Schließlich hat die Zukunft um die Sportentwicklung in Deutschland, nicht zuletzt um die gezieltere Förderung des Nachwuchsleistungssports, längst begonnen. Wenn der DOSB mit dem Slogan „die Bewegung, die Deutschland jetzt braucht” um Unterstützung für die deutsche Olympia- und Paralympics-Bewerbung wirbt, müssen die Überlegungen dazu beim Kinder- und Jugendsport ansetzen. Das ist die Botschaft, die vom „Jugend trainiert"-Herbstfinale ausgehen soll.
Hier geht's zu den Infos rund um das Herbstfinale 2026.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, Karla Borger habe selbst an „Jugend trainiert" teilgenommen. Das ist nicht der Fall. Die Passage im Artikel wurde entfernt. Richtig ist, dass Karla Borgers Eltern einen engen Bezug zum Schulsportwettbewerb haben. Die Mutter wurde nur neun Monate, nachdem sie mit Volleyball begonnen hatte, bei einem Bundesfinale als Talent gesichtet und gewann in ihrer späteren Karriere u.a. 1995 den Europameisterschaftstitel im Beach-Volleyball. Der Vater war Lehrer und Kreissportkoordinator und hat in dieser Funktion „Jugend trainiert"-Wettbewerbe mit organisiert.
















