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Paralympische Sportarten

Stolz auf Oskar

Sport und Ehrenamt sind untrennbar miteinander verbunden. Das ist nicht erst so, seit es in Deutschland eine Staatsministerin für Sport und Ehrenamt gibt, sondern eher eine Binsenweisheit. Auch „Jugend trainiert“ wäre ohne die Unterstützung von ehrenamtlich Engagierten kaum denkbar. 825 waren zuletzt beim Herbstfinale des Schulsportwettbewerbs im Einsatz – bei der Akkreditierung und Abschlussveranstaltung ebenso wie an den Wettkampfstätten, wobei viele Helferinnen und Helfer noch minderjährig oder junge Erwachsene sind. Ihnen ist dieser Artikel gewidmet, genauer gesagt: den Schiris unter ihnen.

Von Kai Gemeinder

Zu den grundlegenden Zielen von Jugend trainiert für Olympia & Paralympics gehört die Talentsichtung und -förderung. So manche Sportkarriere hat ihren Ursprung bei „Jugend trainiert“ oder nahm dort richtig Fahrt auf. Auch bei den Olympischen und Paralympischen Winterspielen Mailand Cortina 2026 wird das Team Deutschland wieder gespickt sein von ehemaligen „Jugend trainiert“-Teilnehmenden. Beispielhaft genannt sei die Para Sportlerin des Jahres 2025 Johanna Recktenwald, die 2016 beim Winterfinale in Schonach erstmals auf Langlaufskiern stand. Im Schwarzwald entdeckte die amtierende Para Biathlon-Weltmeisterin damals den Behindertensport für und das Talent in sich. 

Inzwischen zählt die gebürtige Saarländerin zur absoluten Weltspitze und möchte bei den Winterspielen in Italien nun auch ihre ersten Paralympics-Medaillen gewinnen. Ihre Ambitionen untermauerte Johanna Recktenwald in der vergangenen Woche beim Weltcup-Auftakt im kanadischen Canmore, wo sie mit Begleitläuferin Emily Weiss im Para Biathlon drei Podestplätze einfuhr, darunter den saisonübergreifend dritten Sieg in Folge über die Langdistanz von 12,5 Kilometern. 

„Jugend trainiert“ fördert Talente nicht nur im sportlichen Bereich 

Im Juli 2022 sagte Martin Schönwandt nach seiner Wahl zum neuen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Schulsportstiftung: „‚Jugend trainiert‘ hat in seiner Historie das Potenzial gezeigt, über 30 Millionen Kinder und Jugendliche ansprechen und dabei unterstützen zu können, ihr besonderes Talent zu finden und zu entwickeln.“ Dies gelte – und damit zurück zum eigentlichen Thema dieses Beitrags – für die sportliche Leistung ebenso wie für soziales Engagement. Die einen würden über den Schulsportwettbewerb ihre sportlichen Fähigkeiten weiter entfalten und im Breitensport aktiv bleiben oder gar eine leistungssportliche Karriere anstreben. Andere würden sich zum Beispiel als Supporter, in der Organisation oder in Schieds- und Kampfgerichten hervortun. „In beiden Fällen hätten wir viel erreicht, weil Sport neben dem gesundheitlichen Aspekt auch Erlebnisräume öffnet, die der Persönlichkeitsentwicklung von jungen Menschen gut tut“, betonte Schönwandt. 

Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter werden bei „Jugend trainiert“ geschult

Jugend trainiert für Olympia & Paralympics bietet unter anderem denjenigen eine Bühne und Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung, die den Sport vielfach überhaupt erst möglich machen: den Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern. Sportfachverbände nutzen den hochklassigen Wettbewerb als Chance, talentierte Referees einzusetzen und ihnen im Rahmen der Bundesfinals Schulungen anzubieten. Ob im Handball, Basketball, Hockey oder Fußball – überall leiten neben routinierten Unparteiischen auch Schülerinnen und Schüler sowie junge Erwachsene die Partien. In einigen Sportarten sind Schiri-Coaches mit vor Ort, beobachten die Spiele und geben direktes Feedback. 

Werkstudent Leonhard Schieck, der bereits in der Basketball-Oberliga gepfiffen hat, zählt sicherlich zu den erfahrensten Nachwuchskräften, die in diesem Jahr bei den Bundesfinals Verantwortung übernommen haben. Eine Ehre sei es für ihn gewesen, beim Frühjahrsfinale 2025 tätig gewesen zu sein, eröffnet der Brandenburger einen Bericht, der auf bbv-inside.de erschienen ist. Sein Fazit: „Rückblickend war meine Teilnahme am Bundesfinale eine unglaublich lehrreiche, fordernde und bereichernde Erfahrung. Besonders der ausführliche Coachingbericht hilft mir nun, meine eigene Entwicklung gezielt voranzutreiben. Es ist wie bei jeder Coachingmaßnahme: Man muss die für sich wichtigsten Aspekte mitnehmen und daran arbeiten, um als Schiedsrichter*in besser zu werden.“ Am Ende seiner Ausführungen schreibt der Referee, der vom Basketball-Landesverband Brandenburg nominiert worden war: „Ich kann nur jedem empfehlen: Wenn sich die Gelegenheit bietet, bei ‚Jugend trainiert‘ als Schiedsrichter*in dabei zu sein – unbedingt nutzen!“

Oskar Holze mit 14 Jahren jüngstes Schiri-Talent des Herbstfinales 2025

Das dachte sich wohl auch Hockeyspieler Oskar Holze. 2024 nahm er mit dem Gymnasium Fridericianum Schwerin als aktiver Sportler am Bundesfinale teil. Dass er auch 2025 wieder in Berlin war, obwohl sich sein Team auf Landesebene diesmal gar nicht fürs Bundesfinale qualifiziert hatte, hat einen einfachen Grund: Oskar ist nicht nur Spieler, sondern auch Schiedsrichter. 

Was diese Geschichte so besonders macht: Der 14-jährige Oskar Holze ist das jüngste beim Herbstfinale 2025 eingesetzte Schiri-Talent. Angefangen hat alles vor anderthalb Jahren, als in seiner Heimat mal ein Schiedsrichter gebraucht wurde und er es für ein, zwei Spiele versucht hat – im Alter von zwölf Jahren. „Es hat mir Spaß gemacht und dann erfuhr ich von einem Schweriner Hockeyturnier, bei dem man einen Schiedsrichterlehrgang machen kann“, erzählt Oskar, wenige Minuten bevor er als Vertreter des Landesverbandes Sachsen-Anhalt erstmals mit der Pfeife statt dem Hockeyschläger das Spielfeld eines „Jugend trainiert“-Herbstfinales betritt. 

Auf die Frage, ob es für ihn dadurch einfacher sei zu pfeifen, weil er den Hockeysport auch aus Spielerperspektive kennt, antwortet er: „Ja, auf jeden Fall. Aber das gilt in beide Richtungen. Du hast einfach als Spieler noch mal viel mehr Verständnis für die Schiedsrichter, weil du die Regeln und damit auch manche Entscheidungen viel besser verstehst. Und als Schiedsrichter weißt du umgekehrt, wie sich die Spieler auf dem Platz fühlen.“ 

Insgesamt sind beim Hockeyturnier 24 ausschließlich junge Schiris vor Ort, die von acht Schiri-Beobachtern unter die Lupe genommen werden. Seinem unmittelbar bevorstehenden Einsatz blickt Oskar mit etwas Nervosität (schließlich sind viele Spielerinnen und Spieler auf dem Platz älter als er selbst), vor allem aber großer Freude entgegen. Und einem klaren Plan: „Ich möchte die Spiele schön leiten, also so, dass es den Spielern auch Spaß macht. Ich versuche, meine Entscheidungen so zu treffen, dass für alle auf dem Platz und außerhalb attraktives Hockey möglich ist.“ Oskar nimmt sich vor, „nicht jede zweite Sekunde zu unterbrechen und auf unnötige Pfiffe zu verzichten".

Dann geht es los und auf Spielfeld Nummer 6 beginnt nicht nur für die Talente der Mädchenteams aus Brandenburg und dem Saarland, sondern auch für das talentierte Schiri-Duo Oskar Holze und Amanda Schmidt der Hockeywettbewerb von Jugend trainiert für Olympia & Paralympics beim Herbstfinale 2025. 

Wohin die Reise führen kann, zeigt das Beispiel eines ehemaligen FIFA-Referees 

Knut Kircher ist gewissermaßen das Schiedsrichter-Pendant zur eingangs erwähnten Johanna Recktenwald. Deren erste Schneeversuche im Skilanglauf fanden bei „Jugend trainiert“ statt, Knut Kircher sammelte als Jugendlicher beim Schulsportwettbewerb wertvolle Erfahrung an der Pfeife. Beide machten in der Folge Karriere auf höchstem Niveau. Knut Kircher wurde 2012 zum DFB-Schiedsrichter des Jahres gekürt, leitete 41 DFB-Pokal-Partien, 372 Spiele in der 1. und 2. Bundesliga sowie 35 internationale Fußballmatches. Mittlerweile ist er Geschäftsführer der DFB Schiri GmbH. Und was besonders erfreulich ist: Seit diesem Jahr ist Knut Kircher der erste Schiedsrichter-Pate bei Jugend trainiert für Olympia & Paralympics und gehört damit zum Kreis der „Jugend trainiert“-Patinnen und -Paten, genau wie Johanna Recktenwald. 

Natürlich kann und wird nur der Weg einiger Talente so weit nach oben führen, wie der, den Johanna Recktenwald und Knut Kircher beschritten haben. Aber darum geht es auch gar nicht. Viel wichtiger ist, wie von Martin Schönwandt beschrieben, dass „Jugend trainiert“ jungen Menschen Räume öffnet, in denen sie sich ausprobieren und entwickeln können. Ein Erfolg ist es, wenn die Erlebnisse dazu beitragen, dem Sport treu zu bleiben, ganz gleich, ob als Athletin oder Schiedsrichter, ob im Spitzen- oder Breitensport. Denn engagierte Menschen werden im Sport überall gebraucht. Weil Sport und Ehrenamt untrennbar miteinander verbunden sind.

„Jugend trainiert“ fördert und motiviert junge Menschen und kann stolz auf seine Talente sein. Auf Oskar ebenso wie auf Amanda, Leonhard, Knut, Johanna und unzählige weitere, deren Reise einmal beim Schulsportwettbewerb begonnen oder Halt gemacht hat. 

Oskar Holze war beim Herbstfinale 2025 jüngster Schiedsrichter und als einer von 825 Ehrenamtlichen im Einsatz. © DSSS/sampics

Johanna Recktenwald (Bildmitte) 2016 in Schonach bei der ersten Siegerehrung ihrer Wintersportkarriere © DSSS/sampics

Die Para Sportlerin des Jahres 2025 Johanna Recktenwald mit ihrer Begleitläuferin Emily Weiss nach dem Gewinn der WM-Goldmedaille in Pokljuka, Slowenien © Ralf Kuckuck / DBS

Martin Schönwandt, Vorstandsvorsitzender der DSSS, bei einer "Jugend trainiert"-Siegerehrung in Berlin. © DSSS/sampics

Leonhard Schieck 2025 bei seinem persönlichen "Jugend trainiert"-Eröffnungsspiel als Referee © DSSS/sampics

Hier pfeift Oskar Holze zum ersten Mal ein Spiel beim Herbstfinale von "Jugend trainiert" © DSSS/sampics

Zusammen mit Amanda Schmidt bildet Oskar Holze im Spiel Brandenburg gegen Saarland das Schiri-Duo. © DSSS/sampics

Knut Kircher bei einem Bundesliga-Einsatz im Jahr 2014. © Stefan Matzke/sampics

Seit 2025 ist Knut Kircher, DFB-Schiedsrichter des Jahres 2012, erster Schiri-Pate des Schulsportwettbewerbs und Vorbild für viele Nachwuchs-Referees. © Marcel Gruber

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