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Von der Schulhalle im Handball auf Europas große Bühne: „Jugend trainiert“-Athlet Miro Schluroff begeistert Handball-Deutschland

Als Miro Schluroff im EM-Spiel gegen Portugal sieben Tore erzielte, zum besten deutschen Werfer avancierte und gemeinsam mit Torhüter Andreas Wolff den Weg zum Sieg ebnete, war es einer dieser Momente, in denen sportliche Spitzenleistung plötzlich eine lange Vorgeschichte bekommt. Eine Geschichte, die nicht erst in der Bundesliga oder Nationalmannschaft beginnt, sondern viele Jahre früher – im Heimatverein, in der Schule, bei Jugend trainiert für Olympia & Paralympics.

Von Kai Gemeinder

Einer, der diese Geschichte aus nächster Nähe kennt, ist Tim Schulenberg. Lehrer-Trainer an der Oberschule Ronzelenstraße in Bremen, Landestrainer, Vereinstrainer beim HC Bremen – und über Jahre hinweg eine der zentralen Bezugspersonen auf Miros sportlichem Weg.

Frühes Talent, klares Mindset

Schon früh war für Schulenberg erkennbar, dass Miro Schluroff mehr war als „nur“ ein besonders talentierter Jugendspieler. „Sportlich war er herausragend, aber vor allem auch von seiner Mentalität und seinem Mindset her“, erinnert sich Schulenberg. „Er hatte diesen klaren Fokus mit Blick auf seine sportliche Karriere, wollte es unbedingt – und war dabei trotzdem immer locker und unglaublich sympathisch.“

Diese Mischung aus Ehrgeiz und Bodenständigkeit prägt Schluroff bis heute. Auch nach seinem starken Auftritt gegen Portugal, bei dem er in der zweiten Halbzeit immer wieder die „Schluroff-Schleuder“ auspackte und sieben Tore in zwölf Minuten Spielzeit erzielte, blieb der Nationalspieler bescheiden:
„Ich finde, wir haben einen unfassbar tiefen Kader. Heute konnte ich der Mannschaft helfen – im nächsten Spiel sind es wieder andere.“

Genau diese Haltung ist es, die Schulenberg besonders stolz macht. „Die beeindruckende Performance auf der Platte ist das eine“, sagt er. „Aber wie er sich danach hinstellt, so reflektiert und das Team hervorhebend – das ist ebenso stark.“

Gemeinsame Jahre bei „Jugend trainiert“

2016 und 2017 standen Miro Schluroff und Tim Schulenberg gemeinsam beim Bundesfinale von Jugend trainiert für Olympia & Paralympics in Berlin. Mit dem Handballteam der Oberschule Ronzelenstraße Bremen belegten sie zunächst Platz 9, ein Jahr später Rang 4 – sportlich erfolgreiche Teilnahmen, vor allem aber prägende Erfahrungen.

„‚Jugend trainiert' hatte für uns einen sehr hohen Stellenwert“, betont Schulenberg. „Der Wettbewerb ist eng verzahnt mit Schule, Verein und Landesauswahl. Es geht nicht nur um Leistung, sondern ganz stark auch um Persönlichkeitsentwicklung.“

Gerade auf Bundesebene, im Vergleich mit den besten Schulteams Deutschlands, übernehmen Spieler früh Verantwortung. „Da ging es für Miro schon darum, Führungsqualitäten zu zeigen – genau das, was wir jetzt bei der EM wieder gesehen haben.“

Für viele Nachwuchssportlerinnen und -sportler ist Berlin zudem der erste große nationale Auftritt. Eine Multisportveranstaltung mit hoher sportlicher Qualität, in einem Rahmen, der Eindruck hinterlässt – und motiviert.

Lehrer-Trainer als Schlüsselrolle

Dass sich sportliche Karriere und schulischer Weg miteinander vereinbaren lassen, ist kein Selbstläufer. Lehrer-Trainer wie Tim Schulenberg spielen dabei eine entscheidende Rolle.
„Der große Mehrwert ist die Nähe“, erklärt er. „Man hat die Athleten im Training, im Wettkampf, aber eben auch im Unterricht. Das bringt Verantwortung mit sich – ist aber auch eine riesige Chance.“

In Spitzenzeiten verbringen Lehrer-Trainer und Athleten 25 bis 30 Stunden pro Woche miteinander. Training, Unterricht, Wettkämpfe, Busfahrten. „Wenn diese Beziehungsebene funktioniert, kann man unglaublich viel entwickeln“, so Schulenberg. „Das brauchen junge Talente: Menschen, die verstehen, was sie leisten – und sie auf diesem Weg unterstützen.“

Wiedersehen auf der großen Bühne

Beim entscheidenden Vorrunden-EM-Spiel gegen Spanien bekam Schluroff, der in der Bundesliga mittlerweile für den VFL Gummersbach spielt, Besuch von seinem ehemaligen Lehrer-Trainer. Schulenberg war vor Ort in Dänemark, schrieb mit seinem ehemaligen Schützling vor und nach dem Spiel, traf ihn kurz nach Abpfiff. „Ich glaube, er hat sich sehr gefreut, dass ich da war“, erzählt Schulenberg, der nach wie vor im regelmäßigen Austausch mit seinem früheren Schüler und Vereinsspieler steht. 

Wenige Tage nach dem kurzen Wiedersehen folgte das Spiel gegen Portugal – und ein Auftritt, der endgültig deutlich machte, wie weit der Weg geführt hat. „Wie er da aufgetreten ist, immer angezogen hat, es geschafft hat, den Druck in Energie umzuwandeln und sich in einen Flow-Zustand reinzuspielen – das hat mich total für ihn gefreut“, sagt Schulenberg. „Er hatte einfach Freude daran, der Mannschaft zu helfen. Das macht einen natürlich stolz.“

Ein Weg, der Schule macht

Miro Schluroffs Geschichte zeigt beispielhaft, welchen Beitrag der Schulsport leisten kann, wenn Talent, Umfeld und Förderung zusammenspielen. Jugend trainiert für Olympia & Paralympics ist dabei mehr als ein Wettbewerb: Es ist ein Entwicklungsraum, in dem junge Athletinnen und Athleten lernen, Leistung zu bringen, Verantwortung zu übernehmen und als Persönlichkeit zu wachsen.

Bescheidenheit hat Schluroff sicherlich auch von seinem Nachwuchstrainer Schulenberg vorgelebt bekommen, denn der sagt: „Dass Miro heute da steht, wo er steht, ist sein eigener Verdienst. Er hat selbst entschieden, den Weg in Bremen zu gehen, nicht frühzeitig an ein Leistungszentrum zu wechseln, wo ein Bundesligist drüber steht. Er hatte das Vertrauen, dass Bremen der richtige Standort für ihn war, um sich zu entwickeln. Sich jetzt so zu belohnen und zu zeigen, dass der Weg für ihn der richtige war, ist eine tolle Sache.“

Die Entwicklung des inzwischen 24-Jährigen macht deutlich, dass dieser Weg – Schule, Verein, „Jugend trainiert“ – funktionieren kann. Und es gibt weitere Beispiele.

Auch Juri Knorr, Renārs Uščins, Nils Lichtlein und Matthes Langhoff performten bei „Jugend trainiert“

Miro Schluroff ist im EM-Kader von Alfred Gislason nicht der einzige Spieler mit erfolgreicher „Jugend trainiert“-Vergangenheit: 2014 wurde Juri Knorr mit dem Gymnasium am Mühlenberg Bad Schwartau Fünfter. Bei den Bundesfinals 2016 und 2017 gewann Renārs Uščins mit dem Sportgymnasium Magdeburg zweimal den Titel. Nils Lichtlein und Matthes Langhoff wurden mit dem Schul- und Leistungssportzentrum Berlin und ihrem Coach Bob Hanning 2019 Bundessieger. Viele Leistungsträger der Handballnationalmannschaft sammelten also einst Erfolge und Erfahrung bei Jugend trainiert für Olympia & Paralympics. Und das ist eine gute Botschaft für den Nachwuchs. 

Tim Schulenberg und Miro Schluroff nach dem EM-Spiel Deutschland gegen Spanien, bei dem sich das DHB-Team mit einem Sieg für die Hauptrunde qualifizierte. © Tim Schulenberg (privat)

2016 und 2017 waren der Lehrer-Trainer und sein ehemaliger Schützling zusammen mit dem Handballteam der Oberschule Ronzelenstraße Bremen beim "Jugend trainiert"-Bundesfinale. © Harald Wolf (privat)

© Harald Wolf (privat)

Deutschlands Spielmacher Juri Knorr trat 2014 für das Gymnasium am Mühlenberg Bad Schwartau beim "Jugend trainiert"-Bundesfinale an und belegte mit seinem Handball-Team den 5. Platz. © DSSS/sampics

Nils Lichtlein im Endspiel des Handballturniers beim "Jugend trainiert"-Frühjahrsfinale 2019. Drei Monate nach dem Bundessieg in Berlin wurde er Vizeweltmeister mit der U19. 2023 folgte der U21 WM-Titel - mit Lichtlein als wertvollstem Spieler des Turniers. Inzwischen zählt Lichtlein zu den Leistungsträgern im DHB-Team der Männer. © DSSS/sampics

Renārs Uščins, 4. von rechts, gewann 2016 und 2017 mit dem Sportgymnasium Magdeburg den Bundessieg bei "Jugend trainiert". Später wurde er U19 Europameister (2021) und U21 Weltmeister (2023). Zudem gewann er 2024 Olympia-Silber in Paris und wurde im selben Jahr zu Deutschlands Handballer des Jahres gewählt. © DSSS/sampics

Renārs Uščins im Sprungwurf beim "Jugend trainiert"-Bundesfinale 2016. © DSSS/sampics

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