Von Kai Gemeinder
Ein kurzer, ein langer und ein außergewöhnlicher Weg führte die Olympia-Debütanten mit „Jugend trainiert“-Vergangenheit von „Jugend trainiert“ zu Olympia.
Philipp Horn, Jakob Moch und Jan Stölben stehen exemplarisch für die Vielfalt sportlicher Karrieren, die mit dem größten Schulsportwettbewerb der Welt verbunden sind. Die beiden Erstgenannten ließen schon bei ihren „Jugend trainiert“-Auftritten mit beeindruckenden Leistungen aufhorchen und waren maßgeblich am Erfolg ihrer Schulteams beteiligt. Die Karriere von Jan Stölben hingegen nahm beim Winterfinale 2013 buchstäblich ihren Anfang.
Für Skilangläufer Jakob Moch ging es vergleichsweise schnell. Zwischen seiner Teilnahme bei „Jugend trainiert“ im Alter von 13 Jahren und der Olympia-Premiere in Mailand Cortina liegen lediglich sieben Jahre – eine relativ kurze Zeitspanne. Moch überzeugte früh durch Konstanz, Lernfähigkeit und eine stetige Entwicklung im Nachwuchsbereich. Beim „Jugend trainiert“-Winterfinale 2019 belegte er im Techniksprint den 3. Platz und führte das Team des Gymnasiums Isny auf einen achtbaren 5. Rang. Der große Durchbruch gelang dem Baden-Württemberger dann bei den Olympischen Jugendspielen 2024, als er zweimal Gold und einmal Silber gewann. Ein Jahr später folgte eine Bronzemedaille bei den Nordischen Junioren-Skiweltmeisterschaften und am 14. Dezember 2025 feierte der jüngere Bruder von Friedrich Moch schließlich seine Weltcup-Premiere. Keine zwei Monate später geht es nun für Jakob Moch zu den Winterspielen nach Italien. Sein Werdegang zeigt, wie nahtlos der Übergang vom schulischen Wettkampfsystem über Juniorenwettbewerbe in den Spitzensport gelingen kann, wenn Talent, Umfeld und Timing zusammenpassen.
Geduld war hingegen das zentrale Stichwort bei Philipp Horn. Ganze 17 Jahre liegen zwischen seiner „Jugend trainiert“-Teilnahme und dem Start bei seinen ersten Olympischen Spielen. Wie stark der Thüringer bereits in Jugendjahren in der Loipe war, zeigte er unter anderem, als er beim Winterfinale Nesselwang 2009 als Bester seines Teams und zweitschnellster Langläufer unter 188 Startern das Sportgymnasium Oberhof zum Bundessieg führte. Die eigentliche Passion des inzwischen 31-Jährigen war aber schon damals Biathlon. In dieser Sportart erlebte Horn Höhen und Tiefen, Rückschläge und Neuansätze, kämpfte sich immer wieder zurück und blieb seinem großen Ziel treu. Horns Karriere, die ihm als größte Erfolge bislang zwei Bronzemedaillen mit den WM-Staffeln 2020 und 2025 beschert hat, ist ein Beispiel dafür, dass sportlicher Erfolg nicht immer geradlinig verläuft – und dass Ausdauer, Beharrlichkeit und mentale Stärke letztlich belohnt werden können. Seine Olympia-Nominierung ist auch ein Zeichen dafür, dass sich langes Dranbleiben im Leistungssport auszahlen kann.
Der außergewöhnlichste Weg ist zweifellos der von Jan Stölben. Er stammt nicht aus einer klassischen Wintersporthochburg, sondern aus der Eiffel in Rheinland-Pfalz – und entdeckte seine Sportart Skilanglauf 2013 über eine Schul-AG und „Jugend trainiert“. Was zunächst als schulisches Zusatzangebot begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einer Leistungssportkarriere. Stölbens Geschichte steht sinnbildlich für das enorme Potenzial des Schulsports: Talente entdecken, Zugänge schaffen und Perspektiven eröffnen – auch jenseits der etablierten Verbandsstrukturen und Eliteschulen des Sports. Dass er nun bei Olympia an den Start geht, ist ebenso bemerkenswert wie inspirierend. An den Winterfinals von „Jugend trainiert“ nahm der Sprint-Spezialist mit dem Geschwister-Scholl-Gymnasium Daun zwischen 2013 und 2016 teil. Bei seinem letzten Auftritt machte er mit der sechstschnellsten Einzelzeit endgültig auf sich aufmerksam. Skilanglauf-Bundestrainer und „Jugend trainiert“-Pate Peter Schlickenrieder, der als Schüler auf regionaler Ebene selbst am Schulsportwettbewerb teilgenommen hat, sagt: „Wir haben als Verband erkannt, dass ‚Jugend trainiert‘ eine tolle Möglichkeit ist, Kinder und Jugendliche zu erreichen, die wir als Fachverband sonst nicht erreicht hätten“, und nennt Jan Stölben als Beispiel für dieses Erfolgsmodell.
Katharina Hennig Dotzler, Coletta Rydzek, Janosch Brugger (alle Skilanglauf) und Vanessa Voigt (Biathlon) erneut für Olympische Winterspiele nominiert
Neben den drei Debütanten gehören vier weitere ehemalige „Jugend trainiert“-Teilnehmerinnen und -teilnehmer zum deutschen Aufgebot für Mailand Cortina 2026. Ihre Geschichten sind der „Jugend trainiert“-Community bereits aus den Berichten rund um die Olympischen Winterspiele Peking 2022 (Vorbericht, Zwischenfazit, Gesamtschau) vertraut – und zeigen, wie nachhaltig der Schulsportwettbewerb wirkt.
Sie alle sammelten früh Erfahrungen bei Winterfinals, lernten den Teamgedanken kennen und entwickelten sich später zu Leistungsträgerinnen und Leistungsträgern auf internationalem Niveau.
Katharina Hennig Dotzler, die zu „Jugend trainiert“-Zeiten bei ihren drei Teilnahmen dreimal Gold gewann, krönte in Peking ihre Karriere. Auf Silber in der Damen-Staffel folgte Olympiagold an der Seite von Victoria Carl im Teamsprint. In Val di Fiemme wird sie nun ihre dritten und letzten Winterspiele erleben. „In meine beste Form zu kommen und die Wettkämpfe zu genießen“, nennt sie als Ziel. Für eine weitere Medaille müsse nach einigen gesundheitlichen Rückschlägen wirklich alles zusammenpassen, sagt sie.
Ebenfalls mit einer Podestplatzierung aus Peking zurückgekehrt war 2022 Vanessa Voigt, die bei „Jugend trainiert“ 2011 Silber mit dem Sportgymnasium Oberhof gewonnen hatte. 2022 in Peking holte sie mit der Biathlon-Damen-Staffel Bronze und dürfte bei ihrer zweiten Olympia-Teilnahme in diesem Jahr auf weiteres Edelmetall hoffen.
Ohne Medaillen geblieben waren in Peking Coletta Rydzek und Janosch Brugger, die nun erneut ins Skilanglauf-Team für die Winterspiele 2026 berufen wurden. Bei „Jugend trainiert“ gewann Rydzek mit dem Gertrud-von-le-Fort Gymnasium Oberstdorf 2010 Silber und 2011 Bronze, für Janosch Brugger steht ein 6. Platz aus dem Jahr 2009 mit der Realschule Titisee-Neustadt zu Buche.
Zwei Bundestrainer, eine TV-Expertin und ein Rodel-Idol komplettieren den Kreis der „Jugend trainiert“-Familie
Bemerkenswert ist zudem, dass sich bei den Spielen in Italien nicht nur auf der Loipe „Jugend trainiert“-Geschichten fortsetzen. Zwei ehemalige Teilnehmer, der bereits erwähnte Peter Schlickenrieder und Eric Frenzel, haben inzwischen die Seiten gewechselt und sind als Bundestrainer Teil des olympischen Geschehens. Ihre Laufbahnen zeigen, dass der sportliche Weg nicht zwangsläufig auf der aktiven Bühne enden muss, sondern auch in verantwortungsvolle Führungsrollen münden kann.
Eine weitere frühere Athletin mit „Jugend trainiert“-Erfahrung wird die Winterspiele als TV-Expertin begleiten. In Peking gewann Denise Herrmann noch Einzelgold und Staffelbronze im Biathlon. Inzwischen gibt sie ihre Erfahrungen vor der Kamera an die Zuschauerinnen und Zuschauer weiter.
Und auch der „Jugend trainiert“-Wintersport-Pate Felix Loch ist in Mailand Cortina vor Ort – als Gesicht des Wintersports, dreifacher Olympiasieger und Vorbild für den Nachwuchs kämpft der 14-malige Rodel-Weltmeister bei seiner fünften Olympiateilnahme im Eiskanal von Cortina d'Ampezzo erneut um Bestzeiten und Medaillen.
Die Winterspiele 2026 werden einmal mehr zur großen Bühne für das, was Jugend trainiert für Olympia & Paralympics seit Jahrzehnten ausmacht: Talente fördern, Wege eröffnen und Karrieren begleiten – vom Schulwettkampf bis zu den Olympischen Spielen.














