Von Kai Gemeinder
2011 gewann Vanessa Voigt bei „Jugend trainiert“ mit dem Sportgymnasium Oberhof Silber im Skilanglauf, Bronze ging damals an das Gertrud-von-le-Fort-Gymnasium Oberstdorf mit Coletta Rydzek als Leistungsträgerin. Inzwischen bestreiten die beiden Ski-Asse ihre Wettbewerbe bekanntermaßen in unterschiedlichen Sportarten. Während Rydzek nach wie vor im Langlauf antritt, bestreitet Voigt bereits seit 2013 als Biathletin ihre Wettkämpfe.
Ganz im Geiste von „Jugend trainiert“, wo seit jeher ausschließlich Mannschaftswettbewerbe ausgeschrieben werden, verbindet die beiden Athletinnen, dass sie ihr bestes Ergebnis der Olympischen Winterspiele 2026 jeweils im Team einfuhren: Vanessa Voigt gewann Bronze in der Mixed-Staffel an der Seite von Justus Strelow, Philipp Nawrath und Franziska Preuß; Coletta Rydzek im Teamsprint zusammen mit Laura Gimmler. Zuvor hatten Rydzek und Gimmler bereits bei der ersten Langlauf-Entscheidung im Klassiksprint angedeutet, dass mit ihnen zu rechnen sein würde. Beide erreichten in diesem Einzelrennen das Halbfinale. Den Bronze-Coup im Team sowie die Siegerehrung und Feierlichkeiten danach bezeichnete Rydzek am Schlusstag der Spiele als „Erinnerungen für die Ewigkeit“.
Voigts wichtige Botschaft nach Platz vier im Einzel
Vanessa Voigt präsentierte sich bei den Biathlon-Wettbewerben in Antholz ebenfalls in ausgezeichneter Form, erreichte nach Bronze in der Mixed-Staffel noch drei weitere Top-8-Platzierungen sowie einen 12. und 19. Rang. Dass sportlicher Erfolg und die Bewertung desselben nicht allein an Medaillen gemessen werden sollte, machte Voigt im Anschluss an ihr olympisches 15 km-Einzelrennen deutlich, bei dem sie – wie schon vor vier Jahren – den 4. Platz erreicht hatte. „Ich bin verdammt stolz“, schrieb sie auf Instagram. „Ich habe es geschafft, genau am Saisonhöhepunkt meine beste Leistung zu zeigen. Genau dann, wenn es zählt“, zeigte sich die beste Schützin der Winterspiele zufrieden, anstatt einer knapp verpassten Medaille nachzutrauern. Getreu dem Motto: Wer alles gibt, hat sich nichts vorzuwerfen.
Fest steht: Auch ein vierter Platz bei Olympia ist ein großartiger Erfolg. Und nicht nur das: Allein die Teilnahme an Olympischen oder Paralympischen Spielen ist etwas, das nur die allerwenigsten Menschen – so sportlich sie auch sein mögen – jemals erreichen. Deshalb verdienen alle bei den Spielen vertretenen Sportlerinnen und Sportler für ihre Leistung Respekt und Anerkennung. Das zu betonen und hervorzuheben ist wichtig und erscheint nötig. Sich über Medaillen freuen? Ist legitim. Konstruktive Kritik üben? Gehört dazu. Häme, Spott oder gar Beleidigungen? Sind unangemessen und inakzeptabel. Vanessa Voigt hat darauf zurecht hingewiesen.
Einen Tag, nachdem das olympische Feuer erloschen war, meldete sich Voigt erneut zu Wort. Ihre ebenso klugen wie bedachten Gedanken beginnen mit dem Satz: „Der Wert eines Menschen hat nichts mit Ergebnissen zu tun.“ Das vollständige Statement ist auf Instagram zu finden und hier verlinkt.
Von „Jugend trainiert“ zu Olympia: Wie es den anderen ehemaligen Schulsporttalenten ergangen ist
Philipp Horn erlebte 17 Jahre nach seinem „Jugend trainiert“-Bundessieg mit dem Sportgymnasium Oberhof aus dem Jahr 2009 eine Olympiapremiere, auf die er sehr stolz sein darf. Nach Platz 40 im „verkorksten Einzel“ (O-Ton Philipp Horn) zeigte der Biathlet aus Thüringen starke Leistungen, die ihm Platz 10 im Sprint, Platz 11 in der Verfolgung, Platz 4 in der Staffel und Platz 4 im Massenstart einbrachten. Gerade im abschließenden Wettbewerb der besten 30 Biathleten war sogar noch mehr möglich: Nur der letzte von 20 Schüssen verfehlte sein Ziel und verhinderte Horns Podestplatzierung.
Vom Männerteam der Skilangläufer Podestplätze zu erwarten, wäre sicher etwas vermessen gewesen. Zuletzt holten die Männer 2010 in Vancouver Medaillen (Silber mit der Staffel und über 50 km durch Axel Teichmann). Zur Weltspitze zählt Deutschland im Männerbereich derzeit nicht.
Einzig Sprint-Spezialist Jan Stölben durfte sich berechtigte Hoffnung auf eine vordere Platzierung machen, nachdem er sich zu Jahresbeginn bei der Tour de Ski erstmals in seiner Karriere für das Finale im Klassiksprint und damit gleichsam für Olympia qualifiziert hatte. Der 24-Jährige kam einst über eine Schul-AG und „Jugend trainiert“ zum Skilanglauf. Das Besondere dabei: Er stammt aus der Eifel. Stölben ist der erste Langläufer aus dieser Region, dem der Sprung in die Nationalmannschaft gelungen ist. Seine Olympiapremiere im Klassikspint endete im Viertelfinale. In der Männer-Staffel überzeugte Stölben als Schlussläufer und überquerte als Achter die Ziellinie und im Teamsprint mit Jakob Moch, einem weiteren Olympiadebütanten, landete Stölben auf Rang neun.
Jakob Moch wiederum beendete seine ersten Olympischen Spiele ausgerechnet an seinem 20. Geburtstag mit Rang 36 über die 50 km-Distanz. Zuvor hatte er in zwei Einzelrennen die Positionen 33 und 37 belegt. Sein älterer Bruder Friedrich Moch landete über 50 km auf Rang 20 und im Skiathlon auf Rang 26. Zudem gehörte er der Staffel an, die Platz acht erreichte. Hier kam auch Janosch Brugger zum Einsatz. Dessen zweiter Start brachte ihm einen 44. Platz über die 10 km Freistil ein.
Katharina Hennig Dotzler verabschiedet sich von der olympischen Bühne
Zum Schluss unseres „Jugend trainiert“-gefärbten Olympia-Rückblicks kehren wir gedanklich noch einmal zurück ins Jahr 2011, zum Winterfinale in Schonach, bei dem Vanessa Voigt und Coletta Rydzek mit ihren Schulen auf Platz zwei und drei gelandet waren. Den Bundessieg mit der Eliteschule des Wintersports Oberwiesenthal sicherte sich damals eine gewisse Katharina Hennig, die als schnellste Läuferin aus den 175 Schülerinnen herausstach und im Schwarzwald ihren dritten „Jugend trainiert“-Titel gewann.
Elf Jahre später, bei den Winterspielen 2022 krönte die sympathische Sportlerin aus Oberwiesenthal ihre erfolgreiche Karriere mit dem Olympiasieg im Teamsprint sowie Silber in der Staffel. Bereits im Vorfeld der Spiele Mailand Cortina kündigte die 29-Jährige an, dass 2026 ihre letzten Olympischen Winterspiele sein würden. Weil sie im Vorfeld mit einigen Verletzungen und Rückschlägen zu kämpfen hatte, gab sie zu, es müsse wirklich alles zusammenpassen, um noch eine Medaille zu gewinnen. Ihr Ziel sei es daher: „In meine beste Form zu kommen und die Wettkämpfe zu genießen.“
Nach Platz 30 im Skiathlon und dem vierten Rang mit der Staffel hielt das Schicksal ein letztes, kurioses Rennen für Hennig Dotzler bereit. Im 50 km klassisch stahl ihr eine Konkurrentin in der Wechselzone versehentlich die Ski, schnell musste für die Deutsche Ersatz hergerichtet werden. An diesem befand sich zu allem Überfluss ein Stück bremsender Folie. Hennig Dotzler musste anhalten und diese entfernen. Letztlich landete die Ausnahme-Langläuferin aus dem Erzgebirge auf Rang neun und sagte im anschließenden Interview: „Mir war es jeden Meter der Strecke bewusst, dass das jetzt mein letztes olympisches Rennen ist. Und deswegen habe ich nicht aufgegeben und einfach immer weitergekämpft und bin jetzt sehr stolz, nochmal Neunte geworden zu sein.“
Das ist der Sportsgeist, der Olympia so faszinierend und Athletinnen und Athleten zu Vorbildern macht. Mit oder ohne Medaille.
















