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100. Bundesfinale in Berlin: „Jugend trainiert“ feiert beim Herbstfinale rundes Jubiläum

Das letzte Herbstfinale in Berlin liegt fast drei Jahre zurück. Damals, im September 2019, zelebrierte der größte Schulsportwettbewerb der Welt im großen Stil sein 50-jähriges Bestehen. Gleichzeitig handelte es sich um das 98. Bundesfinale, das seit der „Jugend trainiert“-Premiere 1969 in Berlin ausgetragen wurde. Nach der pandemiebedingten Zwangspause 2020 und 2021 meldete sich Jugend trainiert für Olympia & Paralympics im Mai diesen Jahres mit dem Frühjahrsfinale 2022 erfolgreich in der Hauptstadt zurück, so dass nun beim Herbstfinale vom 13.-17. September die hundertste Auflage einer Bundesfinalveranstaltung in Berlin stattfinden wird. Ein Grund, sich auf Zeitreise zu begeben.

Von Kai Gemeinder

Als am 19. Juni 1969 anlässlich einer Pressekonferenz im Berliner Rathaus Schöneberg der Bundeswettbewerb Jugend trainiert für Olympia der Öffentlichkeit vorgestellt und die Übernahme der Schirmherrschaft für die Finalveranstaltungen durch den Regierenden Bürgermeister Berlins bekanntgegeben wurde, ahnte wohl nicht einmal Initiator Henri Nannen, welche Erfolgsgeschichte er da auf den Weg gebracht hatte. Doch wie kam es eigentlich zur Idee, einen bundesweiten Schulsportwettbewerb einzuführen?

Nach dem schwachen Olympiaabschneiden der Bundesrepublik Deutschland bei den Sommerspielen 1968 in Mexiko-Stadt und in Vorausschau auf die anstehenden Olympischen Spiele München 1972 war der Ruf nach besserer Talentsichtung und -förderung in Westdeutschland laut geworden. Von Medien und Sportverbänden wurde unter anderem auf das Fehlen einer gezielten Talentsuche in den Schulen und die geringe Zusammenarbeit zwischen Schule und Sportverein hingewiesen. Der Präsident des Deutschen Sportbunds und Nationalen Olympischen Komitees Willi Daume beklagte vor dem Deutschen Bundestag gar die „katastrophale Notlage des bundesdeutschen Schulsports“.

All das vernahm Henri Nannen, damaliger Chefredakteur der Zeitschrift „Stern“, und entwickelte in vertraulichen Gesprächen mit Sportfachverbänden, der Deutschen Sportjugend, dem Schulausschuss der Kultusministerkonferenz, den Schulsportreferenten der Bundesländer und dem Berliner Senat nach dem Vorbild des „Stern“-Wettbewerbs „Jugend forscht“ eine Aktion zur Förderung des deutschen Jugendsports, die bei jener Pressekonferenz vom 19. Juni 1969 unter dem Namen Jugend trainiert für Olympia in Berlin vorgestellt wurde. Nur drei Monate nach der offiziellen Bekanntmachung fand vom 26.-29. September das erste Bundesfinale von „Jugend trainiert“ in Berlin statt, an dem 1.600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sportarten Leichtathletik und Schwimmen zugegen waren, die man per Flugzeug nach West-Berlin gebracht hatte. Deutschlandweit hatten in der Kürze der Zeit etwa 16.500 Kinder und Jugendliche am Wettbewerb teilgenommen.

Rasante Entwicklung und Aufgliederung in Frühjahrs-, Herbst- und Winterfinale

1970 wurden Gerätturnen und Volleyball ins Wettkampfprogramm aufgenommen, im Jahr darauf kam Rudern als fünfte Sportart hinzu – die Zahl der Finalteilnehmenden stieg 1971 auf 4.000, bundesweit waren es 98.000. Im Jahr der Olympischen Sommerspiele 1972 in München nahmen in den elf Bundesländern bereits 145.000 Schülerinnen und Schüler am Wettbewerb teil und als 1973 Fußball als sechste Sportart ins Programm aufgenommen wurde, beschlossen die Verantwortlichen, das Bundesfinale in ein Frühjahrs- und ein Herbstfinale aufzugliedern. Seitdem werden in Berlin zwei Finalveranstaltungen pro Jahr ausgerichtet.

In der Folgejahren entwickelte sich der Wettbewerb kontinuierlich weiter. Sportarten kamen hinzu und ein Winterfinale für Skilanglauf wurde eingeführt. Nach einem erfolgreichen Testwettbewerb 1975 in Ruhpolding war die heutige Biathlon-Hochburg im Jahr darauf auch Gastgeberin des ersten offiziellen Winterfinales von „Jugend trainiert“, welches inzwischen abwechselnd in Schonach (Baden-Württemberg) und Nesselwang (Bayern) veranstaltet wird.

Meilensteine der Wettbewerbsgeschichte

Als im Herbst 1980 das 20. Bundesfinale in Berlin begangen wurde, hatte der Wettbewerb eine Schallmauer durchbrochen: Bundesweit waren mehr als eine halbe Million, nämlich genau 500.182 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei Jugend trainiert für Olympia am Start. Von historisch herausragender Bedeutung war zehn Jahre später das 40. Berliner Bundesfinale. Erstmals in der Geschichte von „Jugend trainiert“ nahmen 1990 zwölf Schulmannschaften aus der DDR am Wettbewerb teil. Mit der deutschen Wiedervereinigung und der Hinzunahme weiterer Sportarten wuchs die Zahl der bundesweit Teilnehmenden in der Folge weiter an.

Der vielleicht größte Meilenstein in der Geschichte von „Jugend trainiert“ wurde beim 83. Berliner Bundesfinale im Frühjahr 2012 eingeleitet. Nach zwei Pilotveranstaltungen in den Jahren 2010 und 2011 fand im Mai 2012 das erste offizielle Bundesfinale von Jugend trainiert für Paralympics statt, wobei die Abschlussveranstaltung von Jugend trainiert für Olympia in der Max-Schmeling-Halle gleichzeitig als Eröffnungsfeier des 1. Bundesfinales von Jugend trainiert für Paralympics diente. Auf diesen ersten Schritt auf dem Weg zu einem inklusiven Veranstaltungsformat folgte schon im Jahr darauf der zweite. Von 2013 an wurden die Bundesfinalveranstaltungen von Jugend trainiert für Olympia und Jugend trainiert für Paralympics im Winter, Frühjahr und Herbst stets zur selben Zeit und vielfach auch an denselben Wettkampfstätten, zumindest aber am gleichen Ort durchgeführt. 2019 wurden dann beide Wettbewerbe unter dem Namen Jugend trainiert für Olympia & Paralympics vereint, was sich seitdem auch in einem neu entwickelten, gemeinsamen Logo widerspiegelt.

Veränderung und Kontinuität

Stetigen Veränderungen war „Jugend trainiert“ aber nicht nur durch die Hinzunahme neuer olympischer und später auch paralympischer Sportarten oder aufgrund politischer Entwicklungen im Zuge der deutschen Wiedervereinigung unterworfen. Auch bezüglich der Organisationsstruktur ergaben sich im Zeitverlauf mehrfach Neuausrichtungen. Von 1969 bis 1972 zeichnete eine Privatinitiative, von 1973 bis 1991 eine Trägergemeinschaft, von 1992 bis 1999 ein eingetragener Verein und von 1999 an die Deutsche Schulsportstiftung für den Wettbewerb verantwortlich. Was jedoch von der Geburtsstunde bis zum heutigen Tag Bestand hat, ist die besondere Rolle Berlins für den Wettbewerb.

Berlin (West) war 1969 auch als Bekenntnis zur geteilten Stadt zum ständigen Austragungsort für die Endkämpfe des Schulsportwettbewerbs erklärt worden. Der Entscheidung vorausgegangen war dabei ein Beschluss des Berliner Senats, die Bundesfinalveranstaltungen auf vielfältige Weise zu unterstützen. Unter anderem beteiligt sich das Land Berlin seit jeher an der Finanzierung der Bundesfinals und stellt kostenfrei eigene Sportstätten zur Verfügung. Und damit nicht genug: Um den Leichtathletik-Talenten beste Wettkampfbedingungen zu liefern, erhielt das Berliner Olympiastadion im Vorfeld der „Jugend trainiert“-Premiere erstmals eine Kunststoffbahn. Neben dem politischen Dazutun durch den Berliner Senat konnte sich Jugend trainiert für Olympia von Anfang an auf die Hilfe der beteiligten Berliner Sportfachverbände und -vereine verlassen. Ohne deren Expertise sowie die Bereitstellung von Personal und Wettkampfstätten wäre die Durchführung der Wettbewerbe bis heute undenkbar.

Berlin zeigt sich als guter Gastgeber

Ganz gleich, ob als West-Exklave im DDR-Hoheitsgebiet des geteilten Deutschlands, als Hauptstadt nach der Wiedervereinigung oder als Sportmetropole, zu der sich die Stadt im Laufe der Zeit entwickelt hat – Berlin war immer darum bemüht, sich als guter Gastgeber für Deutschlands Schulsporttalente zu präsentieren. Nicht nur im kulturellen Rahmenprogramm, sondern insbesondere bei den fernsehbühnenreifen Eröffnungs- und Abschlussveranstaltungen zeigt sich dies durchgängig von 1969 bis heute. Bei der Premiere von „Jugend trainiert“ führte kein geringerer als der damalige ZDF-Moderator des Aktuellen Sportstudios, Wim Thoelke (später auch bekannt durch die TV-Sendungen „Drei mal Neun“ und „Der große Preis“), durchs Programm. Ihm folgten namhafte Kollegen, die neben den siegreichen Schulmannschaften auch hochkarätige Show-Acts ankündigen durften.

Davon überzeugten sich bei den bisherigen 99 Bundesfinalveranstaltungen auch stets Prominente aus Sport und Politik. Sechs amtierende Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Bundeskanzlerin Angela Merkel (2008) sowie weitere hochrangige Politikerinnen, Politiker und Sportfunktionäre erwiesen den Schülerinnen und Schülern bislang in Berlin die Ehre. Noch länger ist die Liste an Ausnahmesportlerinnen und -sportlern, die den Kindern und Jugendlichen in der 53-jährigen Historie des Wettbewerbs sowohl an den Sportstätten als auch bei Zeremonien einen Besuch abstatteten. Stellvertretend für alle sei an dieser Stelle ein internationaler Stargast genannt: Jesse Owens, der bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin für die USA viermal Gold in der Leichtathletik gewonnen hatte, übergab 1978 bei der Abschlussveranstaltung von Jugend trainiert für Olympia die Medaillen.

Rund 4.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie internationale Gäste beim 100. Bundesfinale in Berlin

Bei der 100. Auflage eines „Jugend trainiert“-Bundesfinales in Berlin werden vom 13.-17. September 2022 rund 4.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 448 Schulmannschaften in der Hauptstadt um Titel in zehn olympischen und drei paralympischen Sportarten kämpfen. Auch Schirmherrin Franziska Giffey, Regierende Bürgermeisterin von Berlin, sieht dem Herbstfinale mit Freude entgegen und kündigt internationale Gäste an: „Die Sportmetropole Berlin freut sich auf ihr 100. Bundesfinale von ‚Jugend trainiert‘. Für viele der Athletinnen und Athleten stellt das Bundesfinale den sportlichen Höhepunkt ihrer Schulzeit dar, andere sehen wir später bei Olympischen und Paralympischen Spielen. Besonders freue ich mich, dass eine französische Delegation in Vorbereitung auf Paris 2024 nach Berlin reisen wird, um die Abschlussveranstaltung im Velodrom und hoffentlich auch einige Wettkämpfe zu besuchen.“

Für alle, die nicht vor Ort dabei sein können, sich aber trotzdem für das Bundesfinale von Jugend trainiert für Olympia & Paralympics interessieren, hat sich die Organisationsleitung etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Erstmals in der Geschichte des Wettbewerbs können zahlreiche Entscheidungen im Livestream auf der Plattform SolidSport verfolgt werden. Nähere Infos dazu werden zeitnah unter www.jugendtrainiert.com veröffentlicht. Wie gewohnt, werden auf der Homepage im Laufe des Bundesfinals zudem tagesaktuelle Berichte, Fotos und Videos eingestellt und es wird auf die Ergebnisseite des Schulsportwettbewerbs verlinkt.

Premiere von Jugend trainiert für Olympia im Jahr 1969 im Berliner Olympiastadion © DSSS

Henri Nannen (links) und Willi Daume eröffnen das 1. Bundesfinale von Jugend trainiert für Olympia. © DSSS

Leichtathletik und Schwimmen waren die beiden ersten Sportarten im Wettkampfprogramm von "Jugend trainiert". © DSSS

© DSSS

Mit der Hinzunahme von Fußball als 6. Sportart im Jahr 1973 wurde die Aufgliederung in ein Frühjahrs- und Herbstfinale beschlossen. © DSSS

2012 fand in Berlin das 1. Bundesfinale von Jugend trainiert für Paralympics statt. Das Bild zeigt Friedhelm Julius Beucher (Präsident des Deutschen Behindertensportverbands) im Handschlag mit einem Rollstuhlbasketballer. © DSSS

2014 wurde das Finale im Rollstuhlbasketball unmittelbar vor Beginn der Abschlussveranstaltung vor großer Kulisse in der Max-Schmeling-Halle ausgetragen. © DSSS/sampics

Die Siegerehrungen zum Abschluss jedes Bundesfinals werden stets von spektakulären Show-Acts begleitet. © DSSS/sampics

Im Anschluss wird gefeiert. © DSSS/sampics

Wie sich die Bilder gleichen: Egal ob beim Besuch von Bundespräsident Walter Scheel (1974)... © DSSS

...oder Frank-Walter Steinmeier (2019) - stets sind die Staatsoberhäupter umringt von begeisterten Schülerinnen und Schülern. © DSSS/sampics

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