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Theresa Schopper: „In Baden-Württemberg ist richtig der Knopf aufgegangen“

Positive Signale aus Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt: In der letzten Woche vor dem „Bundesfinale 2021 vor Ort“ fand die „Schulsport-Stafette“ unter anderem in diesen beiden Bundesländern statt – mehr als 200 Schulen beteiligten sich. Theresa Schopper, baden-württembergische Ministerin für Kultus, Jugend und Sport, sowie Sachsen-Anhalts Landesschulsportkoordinator Bernd Plater zeigten sich optimistisch, dass „Jugend trainiert“ in diesem Schuljahr wieder durchstarten kann und betrachten die „Schulsport-Stafette“ als Startschuss auf dem Weg zurück in die Normalität. Wie wichtig die Rückkehr zum sportlichen Wettbewerb ist, offenbarte die Aussage einer hochtalentierten Turnerin, die wir im Rahmen der „Schulsport-Stafette“ an ihrer Schule in Stuttgart getroffen haben.

Von Kai Gemeinder

Meolie Jauch ist 14 Jahre alt und Schülerin des Wirtemberg-Gymnasiums Stuttgart. Getroffen haben wir sie am Mittwoch in ihrer Schulsporthalle, wo sie unter Anleitung von Sportlehrerin Melanie Voss zusammen mit Marlene Gotthardt und Maximilian Gläser am Turnwettbewerb der „Schulsport-Stafette“ teilnahm. Meolie zählt zu den größten Talenten des deutschen Turnens und hat als klares Ziel die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 ausgerufen. Das ist durchaus realistisch. 

Als 12-Jährige wurde Meolie – unter anderem an der Seite der ein Jahr jüngeren Marlene – am 9. Mai 2019 mit ihrem Schulteam Bundessiegerin im Gerätturnen bei Jugend trainiert für Olympia & Paralympics und war beste Turnerin ihrer Mannschaft. Zwei Wochen später gewann sie bei den Deutschen Jugendmeisterschaften drei Titel in der AK12. Diese hätte sie gern am 28. und 29. März des Folgejahres verteidigt oder die Erfolgsbilanz sogar ausgebaut. Doch dazu kam es (vorerst) nicht. 

Die Corona-Pandemie hatte Deutschland erreicht, der erste Lockdown wurde angeordnet. Das tägliche Training war fortan verboten, die nächsten Wettkämpfe wurden abgesagt. Es war ein Zustand, der länger andauern sollte, als die meisten es damals erwartet hätten. Ein Zustand, der nicht folgenlos blieb. Denn als sieben quälend lange Monate später mit der Bundesliga-Mannschaft des MTV Stuttgart wieder der erste Wettkampf für Meolie auf dem Programm stand, war sie nicht etwa glücklich oder gar euphorisch, endlich wieder zeigen zu dürfen, was sie kann. Nein, sie sei damals sehr aufgeregt gewesen, erzählt sie uns vor wenigen Tagen. „Ich hab mich davor in einen Karton gelegt und wollte gar nicht turnen. Es war einfach ein komisches Gefühl, so lange keine Wettkämpfe mehr geturnt zu haben.“

Dieses Gefühl, sich lieber verkriechen als beim Wettkampf antreten zu wollen, habe sie nie zuvor erlebt. Überwunden hat sie sich dann schließlich doch. Zum Glück. Der Bundesliga-Start sei „ganz gut“ gelaufen und „eine Übung“ für die Deutschen Jugendmeisterschaften gewesen, die acht Monate später als eigentlich geplant im November folgten. Meolie gewann dort viermal Gold, nur am Balken musste sie einer anderen Turnerin den Vortritt lassen.

Rückblickend kann die 14-Jährige über diese Situation vor knapp einem Jahr lachen. Doch wirft die Schilderung der Schülerin eine alarmierende Frage auf: Wenn coronabedingt selbst eine Ausnahmekönnerin wie Meolie sich – wenn auch nur für einen Moment – unsicher ist, ob der sportliche Wettkampf überhaupt noch das ist, was sie möchte; eine, deren ambitioniertes Ziel schon 2019 im Interview „Olympiateilnahme und -medaille“ lautete, wie viele andere junge Menschen, die weniger erfolgsverwöhnt sind, mögen in den vergangenen anderthalb Jahren wohl die Motivation zum Sporttreiben im Allgemeinen und Leistungssport im Speziellen verloren haben?

„Verlorene Generation“ oder rechtzeitige Rückkehr zum Sport?

Ob wir es in sportlicher Hinsicht mit einer „verlorenen Generation“ zu tun haben werden, wie manche befürchten, lässt sich, falls überhaupt, erst in einigen Jahren beantworten. Aber klar ist auch: Millionen Kinder und Jugendliche mussten noch weitaus länger auf Vereinstraining und Wettbewerb verzichten als Meolie, die zur sportlichen Elite zählt und deshalb früher als andere zurück in die Halle durfte. Unter diesem Aspekt erscheint es dringend notwendig, dass Sport und Bewegung in den schulischen Alltag zurückkehren. Denn nur dort können alle Heranwachsenden erreicht und zu einem „bewegten Leben“ animiert werden. 

Genau aus diesem Grund wurde die „Schulsport-Stafette“ ins Leben gerufen. Um für den Schulsport und schulsportliche Wettbewerbe zu werben. Unsere Beobachtungen der vergangenen zwei Monate zeigen, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Auch wenn sich die Befürchtungen bestätigen und viele die Lust am Sporttreiben verloren haben sollten: Die große Mehrheit der Schülerinnen und Schüler ist mit Begeisterung bei der „Schulsport-Stafette“ dabei. 

Das zeigte sich an diesem Mittwoch bei Meolie, Marlene und Maximilian, genauso wie bei der engagierten Lehrerin Melanie Voss, die früher selbst geturnt hat und von 2014 bis 2016 in ihrer Funktion als Landestrainerin im Nachwuchsbereich als Erste Meolies Talent entdeckt und gefördert hat. 

Es zeigte sich aber auch bei den Schülerinnen und Schülern der Zollberg-Realschule Esslingen, die sich an ihrer Schule mit großer Freude an der Aktionswoche beteiligten. Hier legten die Lehrkräfte ihren Schwerpunkt auf den Spaß an der Bewegung und das spielerische Erlernen einer neuen Sportart.

Ministerin blickt optimistisch in die Zukunft

Wie wichtig es war, ein Zeichen für den Schulsport zu setzen, attestiert auch Theresa Schopper, die nicht nur Baden-Württembergs Ministerin für Kultus, Jugend und Sport ist, sondern auch der Stiftungsversammlung der Deutschen Schulsportstiftung als deren Vorsitzende vorsteht. Am Rande der „Schulsport-Stafette“ konnten wir uns mit ihr unterhalten. „Man hat richtig gemerkt, was für ein Bewegungsdrang, nicht nur bei den Kindern und Jugendlichen, sondern auch bei den Erwachsenen und Lehrkräften, da war,“ stellte sie fest. 

In Baden-Württemberg sei mit der „Schulsport-Stafette“, an der sich sehr viele Schulen beteiligt hätten, richtig der Knopf aufgegangen, so die Ministerin. Einen Startschuss mit Signalwirkung habe die Initiative ausgelöst. „Man kann jetzt wieder Sportunterricht machen. Das haben wir lange vermisst. Und dass das wieder geht, auch in übergreifenden Gruppen; dass man nicht mehr nur im Kohorten-Prinzip bleiben muss, sondern wieder trainieren kann als Schulmannschaften, als entsprechende Auswahlmannschaften – das ist absolut wichtig gewesen für den ganzen Bereich des Nachwuchs- und Talente-Sichtens zum einen, aber auch für den normalen Breitensport.“

Das Credo für sie und ihre Ministerkolleginnen und -kollegen aus den Ländern laute, zum Präsenzunterricht und zur Normalität im schulischen Bereich, wozu auch Sport und Jugend trainiert für Olympia & Paralympics untrennbar dazugehörten, zurückzukehren.

Theresa Schopper machte dem Sportnachwuchs große Hoffnung, dass im Februar 2022 zum ersten Mal seit dann zwei Jahren wieder ein klassisches Bundesfinale, wenn auch unter leicht veränderten Bedingungen, wird stattfinden können. „Wir haben das fest vor. Ich hab mir die Termine in Schonach schon in meinen Terminkalender eingetragen.“ Sie freue sich darauf, dort „die ein oder andere Siegerehrung“ vorzunehmen.

In Sachsen-Anhalt war gemeinsamer Wettbewerb möglich

Das dürfte man auch in Sachsen-Anhalt sicher gerne hören. Dort hatte das Bundesland tags zuvor Schulen aus der Region, die sich für das Winterfinale 2022 qualifizieren wollen, in die Schierker Feuersteinarena eingeladen. „Wir haben den im Rahmen der ‚Schulsport-Stafette‘ angebotenen Inliner-Wettkampf als Hindernis-Parcours aufgebaut. Der simuliert ja in etwa den Technik-Wettbewerb beim Winterfinale“, erklärt Landesschulsportkoordinator Bernd Plater und ergänzt: „Die Schülerinnen und Schüler mussten anderthalb Jahre darauf warten, bis sie wieder positive Signale für diesen Wettbewerb empfangen durften, und wir freuen uns sehr, dass es endlich wieder los geht. Die Schulen warten darauf, wir warten darauf. Wir haben alles vorbereitet und heute ist der erste Tag, wo man das auch sehen kann.“ An die Schülerinnen und Schüler gerichtet, sagte Plater in seiner Begrüßung: „Ihr glaubt gar nicht, wie froh ich bin, euch zu sehen.“

Dem Schulsportkoordinator war etwas gelungen, das in der Vorwoche bereits die Lehrkräfte zweier rheinland-pfälzischer Gymnasien geschafft hatten: Teams unterschiedlicher Schulen zusammenzubringen, damit sie gemeinsam ihren Wettbewerb im Rahmen der „Schulsport-Stafette“ durchführen können. Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit. In der ursprünglichen Planung war vorgesehen, dass jede Schulmannschaft ihren Wettkampf alleine ausrichtet und die Ergebnisse an die Deutsche Schulsportstiftung zur Auswertung übermittelt – wie etwa das Stuttgarter Turnteam es getan hat. Inzwischen lassen die geltenden Corona-Regeln mancherorts aber wieder zu, dass sich Schulgruppen an zentralen Orten treffen. So ist es vergangene Woche in Mainz geschehen. Und nun erneut in Schierke. 

Sportlich durchgesetzt hat sich am Ende das Gerhart-Hauptmann Gymnasium Wernigerode, dessen Schülerinnen und Schüler vor den Augen von „Jugend trainiert“-Maskottchen Young Star den Siegerpokal entgegen nehmen durften. Eine Siegerehrung mit Urkunden und Pokalen, in Anwesenheit einiger Gäste und der sportlichen Konkurrenz – auch das war Ausdruck der wiedererlangten Normalität, die an diesem Tag in der Feuersteinarena zu spüren war und hoffentlich bald überall in Deutschland wieder zum Alltag dazugehört. 

Daumen hoch für die "Schulsport-Stafette". So sehen es Maximilian Gläser, Meolie Jauch und Marlene Gotthardt vom Wirtemberg-Gymnasium Stuttgart. © DSSS/Kai Gemeinder

Die ehemalige Landestrainerin im Turnen Melanie Voss bespricht mit ihren Schülerinnen den Turn-Parcours. © DSSS/Kai Gemeinder

Lehrerkollege Steffen Hepperle motiviert und drückt Meolie Jauch die Daumen für den anstehenden Wettbewerb der "Schulsport-Stafette". © DSSS/Kai Gemeinder

Die Vorfreude auf die Schulstunde im Zeichen der "Schulsport-Stafette" ist den Schülern der Zollberg-Realschule Esslingen deutlich anzusehen. © DSSS/Kai Gemeinder

Warmlaufen, pantomimisch Sportarten darstellen, später Floorball erlernen - so lautete das Programm, das sich die Lehrkräfte ausgedacht hatten. © DSSS/Kai Gemeinder

Hier zu sehen: die pantomimische Darstellung der Sportart Tennis © DSSS/Kai Gemeinder

Kultusministerin Theresa Schopper spricht im Interview über die notwendige Rückkehr zum Schulsport und macht Hoffnung, dass im Februar 2022 das Winterfinale in Schonach regulär stattfinden kann. © DSSS/Timo Michael

Landesschulsportkoordinator Bernd Plater begrüßt die Schüler*innen aus Sachsen Anhalt mit den Worten: „Ihr glaubt gar nicht, wie froh ich bin, euch zu sehen.“ DSSS/Mandy Kunitz

Die Veranstaltung in der Schierker Feuersteinarena endete mit einer Siegerehrung. Hoffentlich gehört das schon bald wieder zum Alltag beim Schulsportwettbewerb von "Jugend trainiert". DSSS/Mandy Kunitz

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